Prüfung von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln

Prüfung elektrische Anlagen

Elektrische Anlagen bilden das Nervensystem moderner Gebäudeinfrastruktur. Doch es geht auch ein gewisses Risiko von ihnen aus. Gemäß aktuellen Statistiken lassen sich rund ein Drittel aller Brände auf Mängel in elektrischen Anlagen oder Betriebsmitteln zurückführen. Als vorbeugende Maßnahme fordern Gesetzgeber, Berufsgenossenschaften oder Versicherungsgeber deshalb von den Gebäudeeigentümern und -betreibern regelmäßige Prüfungen der elektrischen Anlagen und Betriebsmittel. Doch auch die Eigentümer, Betreiber und Nutzer eines Gebäudes haben ein eigenes Interesse, die Sicherheit der elektrischen Anlagen und Betriebsmittel durch regelmäßige Prüfungen abzusichern.

Je nach Anlage und betrieblichen Rahmenbedingungen bilden unterschiedliche Regelwerke die Grundlage für die Prüfung. Dazu zählen:

  • §5 der DGUV Vorschrift 3/ Vorschrift 4
  • §14 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)/ TRBS 1201
  • Schutzklausel 3602/ VdS-Prüfrichtlinie 2871
  • Bauordnungsrecht der Länder

Bei den unterschiedlichen Vorgaben ist es für Betreiber oft schwierig alle Prüfanforderungen und -fristen zu kennen. Vertrauen Sie deshalb TÜV SÜD als kompetentem Partner. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Betreiberpflichten zu erfüllen und dabei rechtssicher sowie wirtschaftlich zu agieren. Unsere Experten helfen Ihnen auch gerne bei individuellen Anfragen weiter und unterbreiten Ihnen ein unverbindliches Angebot.

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Die wichtigsten Prüfgrundlagen für elektrische Anlagen und Betriebsmittel im Überblick

 

  • Prüfung nach VdS Schutzklausel 3602/ VdSPrüfrichtlinie 2871

    Für Betreiber von gewerblich genutzten Gebäuden ist der Abschluss eines Feuerversicherungsvertrages obligatorisch. Die meisten Verträge enthalten die Feuerschutzklausel SK 3602 in den Zusatzbedingungen zu den Allgemeinen Feuerversicherungsbedingungen (AFB). Die Klausel sieht wiederkehrende Prüfungen an den elektrischen Anlagen vor (VdS-Prüfung bzw. Schutzklauselprüfung). Die Prüfung muss durch einen von der Zertifizierungsstelle der VdS Schadenverhütung GmbH anerkannten Sachverständigen erfolgen. Das entsprechende Anerkennungsverfahren regelt die VdS-Richtlinie 2228.

    Die VdS-Prüfung fokussiert sich auf die vorbeugenden Maßnahmen zum Brand- und Sachschutz. Im Rahmen der Prüfung finden neben Sichtprüfungen, Funktionsprüfungen und Messungen u. a. thermografische Untersuchungen mit einer Wärmebildkamera statt. So lassen sich auch für das Auge unsichtbare Defekte und Gefahrenstellen an Anlagen frühzeitig lokalisieren. Betreiber können auffällige Bereiche in ihren individuellen Instandhaltungsplänen gezielt berücksichtigen. 

    Die Fristen bzw. der Turnus der erforderlichen Prüfungen richtet sich nach dem individuellen Versicherungsvertrag. Üblich sind 0,5 bis 2 Jahre. Über die durchgeführte Prüfung benötigt der Betreiber am Ende einen Prüfbericht, den sog. Befundschein nach VdS-Richtlinie 2229. Bestehen Mängel bzw. Abweichungen von den anerkannten Regeln der Elektrotechnik oder den Sicherheitsvorschriften, die dem Vertrag zu Grunde liegen, muss der Befundschein eine Frist zu ihrer Behebung enthalten.

  • Prüfung nach DGUV Vorschrift 3/ 4

    Die gesetzliche Unfallverhütungsvorschrift (kurz DGUV V3/ V4) schützt Arbeitnehmer vor Arbeitsunfällen an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln. Deshalb überträgt die DGUV Vorschrift umfassende Pflichten an die Betreiber.

    So haben Unternehmen dafür zu sorgen, dass elektrische Anlagen und Betriebsmittel den elektrotechnischen Regeln – den sog. allgemein anerkannten Regeln der Technik – entsprechend errichtet, geändert, Instand gehalten und betrieben werden (DGUV V3, §3, Abs. (1)). Prüfungen an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln sind regelmäßig wiederkehrend durchzuführen (DGUV V3, §5, Abs. (1)). Jeder dieser Schritte muss durch eine Elektrofachkraft oder unter Leitung und Anweisung einer solchen erfolgen.

    Die jeweiligen Prüffristen stehen in den Durchführungsanweisungen zur DGUV Vorschrift 3/ 4. Sie unterscheiden sich je nach Art der elektrischen Anlagen und Betriebsmittel:

    Wiederholungsprüfungen ortsfester elektrischer Anlagen und Betriebsmittel

    Anlage/ Betriebsmittel

    Prüffrist

    Art der Prüfung

    Prüfperson

    Elektrische Anlagen und ortsfeste Betriebsmittel

    4 Jahre

    auf ordnungsgemäßen Zustand

    Elektrofachkraft

    Elektrische Anlagen und ortsfeste Betriebsmittel in "Betriebsstätten, Räumen und Anlagen besonderer Art" (DIN VDE 0100 Gruppe 700)

    1 Jahr

    Schutzmaßnahmen mit Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen in nicht-stationären Anlagen 

    1 Monat

    auf Wirksamkeit

    Elektrofachkraft oder elektrotechnisch unterwiesene Person bei Verwendung geeigneter Mess- und Prüfgeräte

    Fehlerstrom-, Differenzstrom- und Fehlerspannungs-Schutzschalter

    • in stationären Anlagen
    • in nicht stationären Anlagen

     

    • 6 Monate
    • arbeitstäglich

    auf einwandfreie Funktion durch Betätigen der Prüfeinrichtung

    Benutzer/ Benutzerin

    Wiederholungsprüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel

    Anlage/ Betriebsmittel Prüffrist Art der Prüfung Prüfperson
    • Ortsveränderliche elektrische Betriebsmitten (soweit benutzt)
    • Verlängerungs- und Geräteanschlussleistungen mit Steckvorrichtung
    • Anschlussleitungen mit Stecker
    • Bewegliche Leitungen mit Stecker und Festanschluss

    Richtwert 6 Monate, auf Baustellen 3 Monate*)

    Wird bei den Prüfungen eine Fehlerquote < 2% erreicht, kann die Prüffrist entsprechend verlängert werden.

    Maximalwerte: 
    Auf Baustellen, in Fertigungsstätten und Werkstätten oder unter ähnlichen Bedingungen 1 Jahr

    In Büros oder unter ähnlichen Bedingungen 2 Jahre

    auf ordnungsgemäßen Zustand
    Elektrofachkraft, bei Verwendung geeigneter Mess- und Prüfgeräte auch elektronisch unterwiesene Personen
    *) Konkretisierung siehe DGUV Information 203-006 "Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Bau- und Montagestellen"
  • Prüfung nach BetrSichV/ TRBS

    Stellt ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern und Beschäftigten für die Ausübung ihrer Tätigkeiten elektrische Betriebsmittel zur Verfügung, so müssen diese vor der erstmaligen Verwendung sowie wiederkehrend von einer befähigten Person geprüft werden. Dies gibt die BetrSichV vor. Sie regelt in Deutschland die Bereitstellung von Arbeitsmitteln durch den Arbeitgeber, die Benutzung von Arbeitsmitteln durch die Beschäftigten bei der Arbeit sowie die Errichtung und den Betrieb von überwachungsbedürftigen Anlagen im Sinne des Arbeitsschutzes.

    Die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) geben den Stand der Technik für die jeweilige Bereitstellung und Benutzung von Arbeitsmitteln zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wieder. Außerdem konkretisieren sie die BetrSichV hinsichtlich der Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen sowie der Ableitung von geeigneten Maßnahmen (TRBS 1201).

    Demnach müssen Arbeitgeber vor der ersten Inbetriebnahme von elektrischen Betriebsmitteln mögliche Gefährdungen ermitteln und in einer Gefährdungsbeurteilung festhalten. Darüber hinaus müssen notwendige Schutzmaßnahmen aufgelistet sowie Art und Umfang (§14) der rechtssicheren Prüfung und die Prüffristen für die regelmäßigen Wiederholungsprüfungen (§16) definiert werden.

    Die Fristen legen jeweils fest, bis wann das betreffende Arbeitsmittel sicher genutzt werden darf. Vor Ablauf dieser Frist muss eine Wiederholungsprüfung erfolgen. Die Prüfung dürfen nur Experten durchführen, die spezielle, in den TRBS 1203 geregelte Anforderungen erfüllen.

  • Prüfung nach Baurecht

    Für besonders sicherheitskritische Gebäude fordert in einigen Bundesländern auch das Bauordnungsrecht eine Prüfung der elektrischen Anlagen. Dazu zählen:

    • Nordrhein-Westfalen
    • Hamburg
    • Rheinland-Pfalz

    Die Prüfungen stellen fest, ob die elektrischen Anlagen die Mindestanforderungen an die betrachteten Schutzziele (Wirksamkeit und Betriebssicherheit) erfüllen. Die Prüfungen sind vorgesehen:

    • vor der ersten Aufnahme der Nutzung der baulichen Anlage
    • unverzüglich nach wesentlichen Änderungen der technischen Anlage
    • unverzüglich nach technischer Änderung der baulichen Anlage
    • abhängig vom Bundesland und Anlagenart jeweils innerhalb einer Frist von i.d.R. 3 Jahren/ 6 Jahren (wiederkehrende Prüfungen)

    Die Prüfungen nach Baurecht in den aufgeführten Bundesländern dürfen ausschließlich bauordnungsrechtlich anerkannte Prüfsachverständige durchführen. Sie benötigen zudem eine Anerkennung im entsprechenden Fachbereich (z. B. elektrische Anlagen).


Wir unterstützen Sie dabei Ihren Pflichten als Unternehmer, Arbeitgeber, Versicherungsnehmer oder Betreiber von elektrischen Anlagen nachzukommen. Doch auch wenn die oben genannten Prüfpflichten Ihre elektrischen Anlagen nicht betreffen, können wir Ihnen helfen. So prüfen wir Ihre Anlagen beispielsweise planungs- und baubegleitend, um Mängel frühzeitig aufzudecken und ihre Beseitigung zu ermöglichen. Zudem beurteilen wir auch Bestandsanlagen hinsichtlich möglicher Schwachstellen sowie nach ihren speziellem Anforderungsprofil. Gerne unterbreiten wir Ihnen ein unverbindliches Angebot.

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Prüfungen von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln - unsere Leistungen im Überblick:

  • Prüfungen vor Inbetriebnahme, nach wesentlichen Änderungen und wiederkehrende Prüfungen nach dem Bauordnungsrecht durch Prüfsachverständige
  • Prüfungen nach BetrSichV/ TRBS durch befähigte Personen
  • Prüfungen nach DGUV V3/ V4 von ortsfesten elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln sowie ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln 
  • Prüfungen nach SK 3602/ VdS Prüfrichtlinie 2871 von elektrischen Anlagen durch VdS-anerkannte Sachverständige für die Prüfung elektrischer Anlagen 
  • Beurteilung von Bestandsanlagen auf Übereinstimmung mit den allgemein anerkannten Regeln der Technik sowie gesetzlichen Bestimmungen
  • Planungs- und baubegleitende Prüfungen nach Kundenauftrag
  • Individuelle Prüfungen nach DIN VDE 0105-100/A1 von elektrischen Anlagen gemäß Kundenauftrag
  • Ermittlung und Festlegung von Prüffristen für Ihre elektrischen Anlagen und Betriebsmittel

Prüfungen von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln - davon profitieren Sie:

  • Sie erfüllen Ihre gesetzlichen und vertragsrechtlichen Pflichten als Unternehmer, Arbeitgeber, Versicherungsnehmer oder Betreiber von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln.
  • Sie minimieren die Kosten für nachträgliche Änderungen, indem Sie im Rahmen von planungs- und baubegleitenden Prüfungen Fehler bereits während der Ausführung aufdecken.
  • Durch die Beurteilung von Bestandsanlagen erhalten Sie Gewissheit, inwieweit diese aktuelle, gesetzliche Bestimmungen sowie allgemein anerkannte Regeln der Technik einhalten.
  • Die Kombination mehrerer Prüfungen reduziert den Gesamtaufwand, Sie profitieren von Synergieeffekten und reduzieren so die Kosten im Vergleich zur Einzelbeauftragung.
  • Dank unserer dezentralen Organisationsstruktur haben wir auch in Ihrer Region anerkannte Prüfsachverständige vor Ort, welche Sie gerne bei der Erfüllung Ihrer Prüfpflichten unterstützen.

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