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44. BImSchV - Neue Grenzwerte, Dokumentationspflichten, Registrierung von Anlagen

Verordnung über mittelgroße Feuerungs-, Gasturbinen- und Verbrennungsmotoranlagen

44. BImSchV - Was Sie wissen und beachten müssen

Am 20. Juni 2019 ist mit der 44. BImSchV die Verordnung über mittelgroße Feuerungs-, Gasturbinen- und Verbrennungsmotoranlagen in Kraft getreten. Dabei handelt es sich um die nationale Umsetzung der „Medium Combustion Plant Directive“ (MCP). Unter die Verordnung fallen ca. 40.000 mittelgroße Feuerungs-, sowie Gasturbinen- und Verbrennungsmotoranlagen (1 bis 50 MW Feuerungswärme), unabhängig davon, ob sie nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) genehmigungsbedürftig sind oder nicht.

Mit der Verordnung werden bestehende Regelungen für nicht genehmigungsbedürftige kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV) sowie für genehmigungsbedürftige Feuerungsanlagen (4. BImSchV, TA-Luft) neu geregelt.

Unter anderem können sich folgende Änderungen ergeben:

  • Neue und teilweise verschärfte Emissionsgrenzwerte
  • Kürzere Messintervalle
  • Neue Pflichten zu Nachweisen, Dokumentationen und Meldungen
  • Registrierung der Feuerungsanlage im Register der zuständigen Überwachungsbehörde

Übergangsregelungen nach §39 der 44. BImSchV erwirken Änderungen bezüglich Emissionsgrenzwerten ab dem 01.01.2025 auch für Bestandsanlagen. Geänderte Grenzwerte und Regelungen gelten auch schon für Bestandsanlagen ab Inkrafttreten. Hier gibt es anlagenspezifische Unterschiede, die im Einzelfall zu prüfen sind. Die Regelungen der 44. BImSchV sind selbstvollziehend und stehen in der Vollzugshierarchie über der TA-Luft. Sie sind somit unter Einbeziehung der Übergangsregelungen für die entsprechenden Anlagen fristgerecht anzuwenden. Anlagen im Leistungsbereich 1 – 20 MW, die bisher in der 1. BImSchV geregelt waren, fallen nun in den Zuständigkeitsbereich der 44. BImSchV. Regelungen aus der 1. BImSchV verlieren daher teilweise ihre Gültigkeit.

TÜV SÜD informiert Sie als Betreiber, was sich konkret für Sie ändert und wo Handlungsbedarf besteht.

 

Unterscheidung zwischen Bestandsanlage und Neuanlage

Die Verordnung unterscheidet klar zwischen Bestandsanlagen und Neuanlagen. Bestehende Anlagen im Sinne der Verordnung sind Feuerungsanlagen,

1.    die vor dem 20.12.2018 in Betrieb genommen wurden oder

2.    die vor dem 19.12.2017 nach §4 oder §16 BImSchG genehmigt wurden und spätestens am 20.12.2018 in Betrieb gingen.

Alle Anlagen, die nach dem 20.12.2018 in Betrieb gegangen sind, gelten als Neuanlagen.

Die Grenzwerte sind für Bestands- und Neuanlagen jeweils unterschiedlich geregelt.

 

Ihre nächsten Schritte als Betreiber

Nehmen Sie Kontakt zu Ihrer zuständigen Überwachungsbehörde auf, um Ihre Anlage fristgerecht zu registrieren.

Für technische und genehmigungstechnische Lösungen, Emissionsmessungen und Anforderungen an die Dokumentation ist und bleibt der TÜV SÜD Ihr zuverlässiger und kompetenter Partner und unterstützt Sie bei der Umstellung auf neue Regelwerke in allen Belangen.

 

NEUE GRENZWERTE FÜR neu und BESTANDSANLAGEN

Die 44. BImSchV bringt vielfältige Änderungen auch in Bezug auf die Grenzwerte. Betroffen sind dabei neben BHKW-Anlagen eine Vielzahl weiterer Anlagentypen. Die Komplexität der Anforderungen die sich aus der 44.BImSchV ergeben erlaubt es an dieser Stelle nicht, die neuen Grenzwerte für jeden einzelnen Anlagentyp zu veröffentlichen. Im Bereich der BHKW´s finden derzeit die meisten Änderungen statt, daher werden im Folgenden beispielhaft Grenzwerte für typische BHWK Anlagen dargestellt. Wir empfehlen für jede Anlage eine fallspezifische Einordnung durchzuführen. Der TÜV SÜD unterstützt Sie dabei mit seiner Fachkompetenz.

Emissionsgrenzewrte der 44. BImSchV für Verbrennungsmotoranlagen

Biogasmotoren

(5% O2)

 

Magergasmotoren

Zündstrahlmotoren

CO

g/m³

0,502

0,502

NOx

g/m³

0,11

0,11

SOx

g/m³

0,09

0,09

Gesamt-C

g/m³

1,33

1,33

Formaldehyd

mg/m³

204

204

Staub

mg/m³

--

--

Ammoniak

mg/m³

305 

305 

 

NOx: SCR erforderlich
Gesamt-C: motorische Minderung
CO, Formaldehyd: Oxikat

1 Anforderungen gelten für Neuanlagen ab 1.1.2023, für bestehende Anlagen ab 1.1.2029. Vorher: Neuanlagen 0,50 g/m³, bestehende Anlagen: TA Luft 2002
2 Anforderungen gelten ab 1.1.2025, für bestehende Anlagen gilt bis 31.12.2024 der Emissionswert der TA Luft 2002.
3 Neuanlagen ab 2023, bestehende Anlagen ab 2029

4 Neuanlagen ab 2020, Neuanlagen vorher und bestehende Anlagen unbefristet: 30 mg/m³

5 nur bei Einsatz von SCR oder SNCR

 

Erdgasmotoren

(5% O2)

 

Magergas

Lamda 1

Zündstrahl

CO

g/m³

0,252

0,252

0,252

NOx

g/m³

0,11

0,11

0,11

SOx

mg/m³

9 oder DVGW G260

9 oder DVGW G260

9 oder DVGW G260

Gesamt-C

g/m³

1,33

1,33

1,33

Formaldehyd

mg/m³

204

5

204

Staub

mg/m³

305

---

305

 

NOx: SCR erforderlich
Gesamt-C: motorische Minderung
CO, Formaldehyd: Oxikat
Lambda-1-Motoren: 3-Wege-Kat

1 Anforderungen gelten für Neuanlagen ab 1.1.2025, für bestehende Anlagen ab 1.1.2029. Vorher: 0,25 g/m³ für Neuanlagen, TA Luft 2002 für bestehende Anlagen
2 Anforderung gilt für bestehende Anlagen ab 1.1.2025, bis 31.12.2024 gilt der Emissionswert der TA Luft 2002.
3 Anforderung gilt ab 1.1.2025
4 Neuanlagen ab 2020, Neuanlagen vorher und Altanlagen unbefristet: 30 mg/m³
5 nur bei Einsatz von SCR oder SNCR

 

Klärgas- und Grubengasmotoren

(5% O2)

 

Magergasmotoren

Zündstrahlmotoren

CO

g/m³

0,501

0,501

NOx

g/m³

0,501

0,501

SOx

g/m³

0,09

0,03

Gesamt-C

g/m³

1,33

1,33

Formaldehyd

mg/m³

204

204

Staub

mg/m³

4

9

Ammoniak

mg/m³

305 

305 

 

NOx: motorische Minderung
Gesamt-C: motorische Minderung
CO, Formaldehyd: Oxikat
Staub: motorische Minderung

1Anforderungen gelten für bestehende Anlagen ab 1.1.2025, vorher gilt der Emissionswert der TA Luft 2002.
2 Anforderungen gelten für bestehende Anlagen ab 1.1.2025, vorher gilt der Emissionswert der TA Luft 2002.
3 Anforderung gilt ab 2025
4 Neuanlagen ab 2020, Neuanlagen vorher und bestehende Anlagen unbefristet: 30 mg/m³

5 nur bei Einsatz von SCR oder SNCR

 

Deponiegasmotoren

(5% O2)

 

ab 1MW

< 1MW

CO

g/m³

0,65

0,65

NOx

g/m³

0,50

0,50

SOx

g/m³

0,031

0,31

Gesamt-C

g/m³

----

----

Formaldehyd

mg/m³

402

402

Staub

mg/m³

4

4

Ammoniak

mg/m³

303 

303 

 

NOx: motorische Minderung
Gesamt-C: motorische Minderung
CO, Formaldehyd: ggf. ab 2025 Oxikat oder TNV
Staub: motorische Minderung

 

1 bestehende Anlagen < 5 MW: ab 1.1.2030, bestehende Anlagen ab 5 MW: ab 1.1.2025, vorher: 0,31 g/m³ (TA Luft 2002)
2  bestehende Anlagen ab 2025, vorher: 60

3 nur bei Einsatz von SCR oder SNCR

 

Motoren -Heizöl EL, Diesel und Notbetrieb

(5% O2)

 

Regelbetrieb

Spitzenlast < 300 h/a

Notbetrieb

CO

g/m³

0,30

Motorisch Maßnahmen nach Stand der Technik

NOx

g/m³

0,1 g/m3 (2)

Motorisch Maßnahmen nach Stand der Technik

SOx

g/m³

Nur Heizöle nach DIN 51603 Teil1, DIN SPEC 51603 Teil 6, Dieselkraftstoffe mit S-Gehalt gemäß 10. BImSchV

Formaldehyd

mg/m³

20

20

60

Staub

mg/m³

20

Rußfilter nach Stand der Technik, Prüfbescheinigung über 5 mg/m3(1)

Ammoniak

mg/m³

303

 

 

NOx: SCR (Regelbetrieb), sonst motorische Minderung
CO, Formaldehyd: Oxikat (außer Notbetrieb)
Staub: Rußfilter (Notbetrieb Ausnahmen möglich)

1 nur Neuanlagen, ordnungsgemäße Wartung des Rußfilters, ersatzweise regelmäßige Messung (Spitzenlast) oder Erstmessung (Notbetrieb) über 50 mg/m3, bestehende Anlagen: 80 mg/m3
2  bestehende Anlagen ab 2025, vorher: TA Luft 2002

3 nur bei Einsatz von SCR oder SNCR

 

Grundsätzlich gelten folgende Anforderungen der 44. BImSchV an Verbrennungsmotoranlagen:

  • Messung, nur wenn Emissionsgrenzwert besteht
  • In der Regel jährliche Messung
  • Messung alle drei Jahre für
    Deponiegas < 1 MW
    Gesamtstaub (außer flüssige Brennstoffe und Zündstrahl), falls Emissionsgrenzwert besteht
    CO bei < 20 MW und thermischer Nachverbrennung
    NOx bei Anlagen < 300 Betriebsstunden pro Jahr
    SOx bei Sondergasmotoren < 20 MW
    Formaldehyd analog der Vollzugsempfehlung Formaldehyd
  • Nachweis über kontinuierlichen effektiven Betrieb der Abgasreinigung
  • NOx-Sensoren bei Magergasmotoren, Grenzwert 0,1 g/m3 muss im Tagesmittel eingehalten sein
  • Notstrom: Formaldehyd nur einmalige Messung

Erfahrungen mit NOx-Sensoren

Grundsätzlich fordert die 44. BImSchV an allen Verbrennungsmotoranlagen den Nachweis des effektiven Betriebs der Abgasreinigungsanlagen. Darüber hinaus gilt noch die Forderung zum Einbau von NOx Sensorik für Magergas BHKW´s. Das Merkblatt VDMA 6299 gilt hier als Erkenntnisquelle und regelt folgende Überwachungsmethodik:

  • Warnung bei Überschreitung der Alarmschwelle
  • Betreiber hat unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen
  • Alarme im Logbuch dokumentieren
  • Erkennung von Fehlfunktionen muss möglich sein (z. B. Defekt des Sensors)
  • Überprüfungsmessung nach Austausch des Sensors

Noch ungeregelt sind:

  • Anforderungen an die Zuverlässigkeit des Sensors (z. B. Messunsicherheit, Nachweisgrenze)
  • Verfahren zur Kalibrierung des Sensors
  • Prüfung des Sensors durch Externe im Betrieb (Funktionsfähigkeit, Vermeidung von Missbrauch)
  • Aufnahme der Ergebnisse der Sensormessungen in den jährlichen Emissionsmessbericht

Es sind schon unterschiedlichste Sensoren eingebaut, meist Sensoren die dem Industriestandard entsprechen. Wichtig ist hierbei das Zusammenwirken von Sensor und Auswerteeinheit. Weiterhin empfehlen wir darauf zu achten, dass die Auswerteeinheit Informationen von der Motorsteuerung verarbeiten kann, um sicher zu stellen, dass die Mittelwertbildung der NOx Messwerte nur bei Betrieb der Anlage aktiv ist. Dies kann sowohl mit externen Geräten als auch mit Systemen, die in die Motorsteuerung integriert sind erfolgen.

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