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Verpflichtung zum Energieaudit nach DIN EN 16247-1: ISO 50001- oder EMAS-Zertifizierung ermöglicht auch weiterhin Freistellung

(Update, September 2019) Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat die Anforderungen an Energieaudits in seinem aktualisierten Merkblatt sowie im Leitfaden zur Erstellung von Energieauditberichten merklich erhöht. Nicht-KMU mit ISO 50001- oder EMAS-Zertifizierung sind von der gesetzlichen Verpflichtung zum Energieaudit auch künftig freigestellt.

Aufgrund der EU-Energieeffizienzrichtlinie, in Deutschland umgesetzt über das Energiedienstleistungsgesetzes EDL-G, waren deutsche Nicht-KMU zum 5. Dezember 2015 erstmals verpflichtet, ein Energieaudit gemäß der DIN EN 16247-1 durchzuführen und dieses alle vier Jahre zu wiederholen. Dabei handelt es sich um eine detaillierte energetische Bewertung, wie sie auch Teil eines zertifizierten Energiemanagementsystems (EnMS) nach DIN EN ISO 50001 ist. Freigestellt von der gesetzlichen Verpflichtung zum Energieaudit sind folgerichtig Unternehmen, die ein zertifiziertes EnMS nach ISO 50001 oder ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem nach dem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) betreiben.

Energieaudits ab sofort umfangreicher

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat einen „Leitfaden zur Erstellung von Energieauditberichten nach den Vorgaben der DIN EN 16247-1“ herausgegeben und inzwischen bereits mehrfach aktualisiert. Das „Merkblatt für Energieaudits nach den gesetzlichen Bestimmungen der §§ 8 ff. EDL-G“ wurde ebenfalls überarbeitet. Gemäß dem Leitfaden müssen die Energieanalyse und die Auswertung der erhobenen Verbrauchsdaten ab sofort fundierter durchgeführt und umfangreicher dokumentiert werden – ebenso wie die Energieeinsparmaßnahmen.

Unternehmen mit mehreren vergleichbaren Standorten können für Energieaudits Standort-Cluster bilden und stichprobenartig sogenannte Multi-Site-Verfahren (MSV) anwenden. Diese Regelungen handhabt der Leitfaden allerdings strikter als bisher. Er schließt beispielsweise Cluster von Produktionsstätten und Krankenhäusern grundsätzlich aus, da hier von sehr unterschiedlichen Gegebenheiten in der energetischen Infrastruktur ausgegangen wird. In Ausnahmefällen kann eine Cluster-Bildung möglich sein, dafür müssen die Gründe jedoch nachvollziehbar und eindeutig anhand der im Leitfaden definierten Clusterkriterien dargelegt werden. An dieser Stelle interessant für Unternehmen, die nach ISO 50001 zertifiziert sind oder dies planen: Hier gibt die ISO 50003 die genauen Regeln für die Clusterbildung bei Multi-Site-Verfahren vor, und sie erlaubt auch Stichprobenverfahren für Krankenhäuser und Produktionsstätten. Inwieweit diese untereinander vergleichbar sind, wägen die Zertifizierungsstelle bzw. der Auditor auch künftig gemäß den Norm-Vorgaben von Fall zu Fall ab.

Die 90-Prozent-Regel

Detaillierter als bisher beschreiben das aktuelle BAFA-Merkblatt und der Leitfaden auch die Vorgehensweise bei der sogenannten 90-Prozent-Regel. Unternehmensgruppen, die in der ersten Verpflichtungsperiode bereits erfolgreich ein Energieaudit durchgeführt haben, müssen weiterhin 100 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aller teilnehmenden Unternehmen erfassen und mindestens 90 Prozent ihres Gesamtenergieverbrauchs im Wiederholungsenergieaudit abdecken. Unabhängig von etwaigen Zertifizierungen zählen alle Töchter eines Konzerns zum Gesamtenergieverbrauch. Vom Energieaudit ausgenommen werden dürfen Standorte oder auch einzelne Unternehmen, die in Summe für nicht mehr als 10 Prozent des Energieverbrauchs der Gruppe verantwortlich sind (vgl. Grafik). Diese Regelung bezieht sich auf Unternehmen, die im Gruppenverbund ein Wiederholungs-Energieaudit durchführen. Diese Regelung kann laut Merkblatt für Energieaudits auch angewendet werden, wenn Organisationen von der Verpflichtung zum Energieaudit aufgrund der Einrichtung eines zertifizierten EnMS nach ISO 50001 oder eines validierten UMS nach EMAS befreit sind.

Tuev-Sued-ValueNewsletter2019

Quelle: Leitfaden zur Erstellung von Energieauditberichten nach den Vorgaben der DIN EN 16247-1 und den Festlegungen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), S. 61

Tuev-Sued-ValueNewsletter2019

In diesem Fall ist kein Energieaudit nach EN 16247-1 nötig.
Quelle: Merkblatt für Energieaudits, BAFA, S. 13

Tuev-Sued-ValueNewsletter2019

Mischsysteme sind möglich: Lediglich Standort A und B müssen sich auditieren lassen.
Quelle: Merkblatt für Energieaudits, BAFA, S. 13

Auf der sicheren Seite sind Konzerne, wenn sie ihren Energieverbrauch nicht in Bezug auf den Gesamtkonzern betrachten, sondern die kleinste rechtliche Einheit für sich untersuchen, im genannten Beispiel also jede einzelne GmbH. Sind die Standorte der einzelnen GmbH zu 90 Prozent durch eine ISO 50001- oder EMAS-Zertifizierung abgedeckt? Dann ist diese GmbH vom Energieaudit freigestellt. Mischsysteme aus mehreren Zertifikaten (Energiemanagement- und/oder Umweltmanagementsystem) und Energieaudits nach DIN EN 16247-1 sind dabei zulässig.

 

Gesetzentwurf zur Änderung des EDL-G: Neuregelungen und Vereinfachungen

Aktuell befindet sich ein Gesetzesentwurf zur Änderung des EDL-G im parlamentarischen Verfahren, der insbesondere die aktuellen Regelungen zum verpflichtenden Energieaudit (§§ 8 ff. EDL-G) weiterentwickeln und vereinfachen soll. Demzufolge können sich künftig Unternehmen vom Energieaudit freistellen lassen, wenn sie die Einführung eines Managementsystems nach ISO 50001 oder EMAS bereits in Angriff genommen, aber noch nicht abgeschlossen haben. Hier genügt zunächst eine rechtskräftige Erklärung durch den Geschäftsführer – das gültige ISO 50001-Zertifikat bzw. die EMAS-Eintragung ist dann spätestens nach zwei Jahren vorzulegen.

Erleichternd soll zudem eine Bagatellschwelle von 500.000 kWh/Jahr Gesamtenergieverbrauch eingeführt werden, unter der Nicht-KMU vom Energieaudit befreit sind.

Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Meldepflicht von zum Energieaudit verpflichteten Unternehmen: Während sie bisher nur das Audit durchführen und die Dokumentation für den Fall einer Prüfung bereithalten mussten, werden sie die Basisdaten aus dem Energieauditbericht künftig aktiv in ein nicht-öffentliches Online-Portal des BAFA eintragen müssen, um ein Bußgeld zu vermeiden. Jeweils aktuelle Informationen zur Gesetzesänderung hält unter anderem das BMWi hier bereit.

Fazit

Die Anforderungen an die Durchführung und Dokumentation der durch die EU-Energieeffizienzrichtlinie und das EDL-G für Nicht-KMU vorgeschriebenen Energieaudits haben sich nun erneut verändert. Auch vier Jahre nach ihrer verpflichtenden Einführung noch. An einigen Stellen hat die erste Energieauditrunde offenbar nicht die erwünschten Ergebnisse geliefert.

Unternehmen, die ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS betreiben, sind nach wie vor vom Energieaudit freigestellt. Bei der energetischen Bewertung ihrer Betriebsstätten müssen sie sich allein nach den Vorgaben der jeweiligen Norm richten – sprich: Sie sind von der aktuellen Verschärfung bei EDL-G und Energieaudit nicht betroffen.

Weiterführende Links:

TÜV SÜD Ansprechpartner: Klaus-Dieter Fürsch, Product Compliance Manager EnMS, TÜV SÜD Management Service GmbH

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