Jetzt beginnt die Umsetzungsphase
Jetzt beginnt die Umsetzungsphase
16. September 2026
Qualitätsmanagementsysteme bilden die Grundlage für klar definierte und dokumentierte Unternehmensprozesse. Mit der Veröffentlichung der ISO 9001:2026 beginnt für Unternehmen die Umsetzungsphase der weltweit wichtigsten Norm für Qualitätsmanagementsysteme. TÜV SÜD rückt die praktischen Folgen der Revision in den Fokus: Neben der Anpassung bestehender Managementsysteme sollten Unternehmen auch die Auswirkungen auf branchenspezifische Qualitätsstandards berücksichtigen, die auf der ISO 9001 basieren.
„Die Revision verändert die Grundprinzipien der ISO 9001 nicht, setzt aber an mehreren Stellen neue Schwerpunkte und Präzisierungen“, ordnet Tobias Lurk, Global Product Performance Manager ISO 9001 bei TÜV SÜD, die Änderungen ein. „Mit der Veröffentlichung der Norm beginnt die praktische Umsetzung in den Unternehmen. Entscheidend wird nun sein, die neuen Anforderungen systematisch in bestehende Managementsysteme zu integrieren und gleichzeitig die Weiterentwicklung branchenspezifischer Standards im Blick zu behalten.“
Die überarbeitete Norm stärkt unter anderem die Berücksichtigung klimabezogener Aspekte, konkretisiert Anforderungen zum Umgang mit Risiken und Chancen und betont die Bedeutung von Qualitätskultur sowie ethischem Verhalten. Mit der Veröffentlichung beginnt zugleich eine Übergangsfrist von 36 Monaten für die Umstellung bestehender Qualitätsmanagementsysteme. Zertifikate nach ISO 9001:2015 behalten während dieser Zeit ihre Gültigkeit. Eine ausführliche Analyse der Neuerungen der ISO 9001:2026 hat TÜV SÜD auf seiner ISO 9001-Revisionsseite zusammengestellt.
Unternehmen sollten nun ihre bestehenden Prozesse, Dokumentationen und Verantwortlichkeiten systematisch mit den Anforderungen der ISO 9001:2026 abgleichen. Neben einer Gap-Analyse können die parallel überarbeitete ISO 9000 sowie der deutlich erweiterte Anhang A der ISO 9001 wichtige Orientierung für die praktische Umsetzung bieten.
„Gerade bei den Änderungen zur Qualitätskultur und ethischem Verhalten kommt es im Audit weniger auf zusätzliche Dokumente an als auf eine glaubwürdige und dauerhaft gelebte Umsetzung“, sagt Tobias Lurk. „Unternehmen sollten deshalb früh beginnen, Verantwortlichkeiten zu klären, Führungskräfte einzubinden und die neuen Schwerpunkte in bestehende Prozesse zu integrieren.“
Die Veröffentlichung der ISO 9001:2026 hat jedoch nicht nur Folgen für Unternehmen, die nach dieser Norm zertifiziert sind. Die ISO 9001 bildet die Grundlage zahlreicher branchenspezifischer Qualitätsmanagementstandards und beeinflusst damit auch deren Weiterentwicklung.
Besonders relevant ist dies für die Automobilindustrie. Die IATF 16949 basiert auf der ISO 9001 und wird derzeit ebenfalls überarbeitet. Die Veröffentlichung der revidierten Fassung wird nach aktuellem Stand für Mitte 2027 erwartet. Ziel ist es unter anderem, Anforderungen verständlicher zu formulieren und Überschneidungen mit der ISO 9001 zu reduzieren. Zudem sollen die Übergangsregelungen an die Fristen der ISO 9001:2026 angepasst werden.
Anders stellt sich die Situation in der Medizintechnik dar. Die ISO 13485:2016 wurde Anfang 2026 im Rahmen ihrer systematischen Überprüfung bestätigt und bleibt bis April 2030 unverändert gültig. Für Hersteller von Medizinprodukten ergeben sich aus der Revision der ISO 9001 derzeit keine unmittelbaren Änderungen der normativen Anforderungen, da die ISO 13485 bis April 2030 unverändert gültig bleibt.
„Unternehmen sollten die Revision der ISO 9001 nicht isoliert betrachten“, sagt Tobias Lurk. „Gerade in regulierten oder stark qualitätsorientierten Branchen lohnt es sich, die Weiterentwicklung branchenspezifischer Standards frühzeitig zu beobachten. So lassen sich künftige Anforderungen besser einordnen und notwendige Anpassungen rechtzeitig vorbereiten.“
Pressekontakt: Laura Albrecht