VDMA 35220
VDMA 35220
27. Oktober 2026
Mit der VDMA 35220 hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau die Grundlage für die einheitliche Bestimmung des CO2-Fußabdrucks von Kunststoff- und Gummimaschinen geschaffen. Das Dokument beschreibt Product Category Rules (PCR) für die Lebenszyklusphase Cradle-to-Gate und soll auf weitere Lebenszyklusphasen ausgedehnt werden. TÜV SÜD war an der Erarbeitung der VDMA 35220 beteiligt und unterstützt Unternehmen auch bei der Umsetzung.
Die Nachfrage nach CO2-Fußabdrücken für Maschinen nimmt weltweit zu. Zum einen benötigen die Kunden der Maschinenhersteller eine belastungsfähige Dokumentation für ihre eigenen Nachhaltigkeitsnachweise, zum anderen werden die gesetzlichen Vorgaben in diesem Bereich immer weiter verschärft. Um die Hersteller bei dieser Herausforderung zu unterstützen, hat der VDMA mit der VDMA 35220 eine Methodik für die Erstellung eines partiellen CO2-Fußabdrucks von Kunststoff- und Gummimaschinen entwickelt. Zum einen sollen die entsprechenden Aussagen zu komplexen und unterschiedlichen Maschinen durch eine standardisierte Bewertung vergleichbar gemacht werden, zum anderen sollen auch kleine und mittlere Unternehmen das Verfahren mit überschaubarem Aufwand umsetzen können.
„Die Product Category Rules der VDMA 35220 für Kunststoff- und Gummimaschinen berücksichtigen die Vorgaben von anerkannten Standards wie der ISO 14067 für den Carbon Footprint von Produkten sowie der ISO 14040 für die Lebenszyklusanalyse von Produkten und der ISO 14044 für die Erstellung von Ökobilanzen“, sagt Larissa Füßl, Leitende Prüferin bei TÜV SÜD Energietechnik Baden-Württemberg, die in der Arbeitsgruppe des VDMA an der Erstellung der neuen Regel beteiligt war. „Sie erfassen im Moment allerdings nur die Lebenszyklusphase Cradle-to-Gate, also von der Rohstoffgewinnung bis zum Verlassen des Herstellerwerks.“ Die VDMA 35220 soll zukünftig auf weitere Lebenszyklusphasen ausgedehnt werden und dann einen vollständigen CO2-Fußabdruck ermöglichen. Larissa Füßl rät Herstellern, nicht darauf zu warten: „Wer sich jetzt mit der Methodik vertraut macht, sichert sich einen Vorsprung im weltweiten Wettbewerb.“
Einen besonderen Fokus hat die Arbeitsgruppe bei der Entwicklung der VDMA 35220 auf eine vergleichsweise einfache Umsetzbarkeit gelegt. „Die Machbarkeit ist ein entscheidender Faktor dafür, dass ein freiwilliger Standard auch von kleinen und mittleren Unternehmen angenommen wird und dass sich die Product Category Rules in der Fläche durchsetzen“, erklärt die TÜV SÜD-Expertin. Die VDMA-Regel beschreibt ein gut nachvollziehbares Vorgehen in neun Schritten – von der Definition der konkreten Einheit über die Bestimmung der Masse der relevanten Bauteile und die Zuweisung des Overhead Footprints bis zur Bestimmung des CO2-Footprints für die genannte Einheit.
Dabei erfolgt die Bestimmung des CO2-Footprints auf einem massebasierten Ansatz: Für 80 Prozent der Gesamtmasse muss der CO2-Footprint detailliert bestimmt werden, während die verbleibenden 20 Prozent extrapoliert werden können. Allerdings müssen die Kontrolleinheit und die elektrischen Motoren zwingend in die detaillierte Bewertung einbezogen werden, um kritische Rohmaterialien (CRM – critical raw materials) in angemessener Form zu berücksichtigen. „Das Verfahren ist ein guter Kompromiss, der trotz des Verzichts auf die allerletzte Genauigkeit in der Analyse zu aussagekräftigen und belastbaren Ergebnissen führt“, betont Larissa Füßl. „Die Methodik der VDMA 35220 ermöglicht eine einheitliche Bewertung von sehr komplexen und sehr unterschiedlichen Maschinen und schafft damit auch die Grundlage für mehr Transparenz in einem ausgesprochen heterogenen Markt.“
TÜV SÜD hat vielfältige Erfahrungen mit der Verifizierung und Validierung von Product Carbon Footprints nach ISO 14064-3, ISO 14065, ISO 14067 und ISO 17029 und mit der Prüfung von Ökobilanzen und Life Cycle Assessments nach ISO 14040, 14044 und ISO 14071 und hält auch alle dafür nötigen Akkreditierungen. Weitere Informationen zu den Leistungen von TÜV SÜD in diesem Bereich gibt es im Internet unter tuvsud.com/de-de/branchen/energie/erneuerbare-energien/energiezertifizierung/carbon-footprint-verifizierung.
Pressekontakt: Dr. Thomas Oberst