Wie der TÜV SÜD Fahrradhändlern den Rücken freihält
Wie der TÜV SÜD Fahrradhändlern den Rücken freihält
Im Rahmen des Programms „Innovation Excellence“ von TÜV SÜD werfen wir einen Blick hinter die Kulissen unserer spannendsten Innovationen der letzten Zeit. Wie wird aus einer Idee ein Erfolg und welche Rolle spielt der richtige Prozess dabei?
Den Anfang macht Horst Draudt mit einem aktuellen Thema: Er und sein Team haben ein Produkt für den boomenden Fahrradmarkt entwickelt.
Ein vielversprechende Produkt für eine Wachstumsmarkt
Wer an einem sonnigen Tag die Wohnung verlässt, sieht sie mittlerweile überall: Elf Millionen E-Bikes fuhren im vergangenen Jahr durch Deutschlands Straßen – und die Tendenz geht zum Zweit- oder Dritt-E-Bike. Erstmals kauften mehr Menschen Räder mit Akkus als solche ohne. Die bequemere Art der Fortbewegung lassen sich die Besitzer etwas kosten: Der durchschnittliche Preis eines E-Bikes liegt bei stolzen 2.950 Euro, während die unmotorisierte Alternative schon für durchschnittlich 470 Euro zu haben ist. Noch teuer wird es bei Schäden: „Bei E-Bikes sprechen wir über Reparaturwerte von in Extremfällen bis zu 15.000 Euro. Hier kommt richtig Wert in den Markt“, so Horst Draudt, Projektleiter des Innovationsprojekts „Fahrrad Schadenmanagement“.
Schadenmanagement aus einer Hand - mit TÜV SÜD
Damit wir beim TÜV SÜD von diesem Boom profitieren können, haben Draudt und sein fünfköpfiges Team ein umfassendes Dienstleistungspaket entwickelt.
Ihr Motto:
Der TÜV SÜD übernimmt hier das komplette Schadenmanagement – von der Dokumentation über das Gutachten bis zur Kommunikation mit den Versicherungen. „Unsere Kunden können sich auf die lohnenden Reparaturen konzentrieren und ihre Kunden glücklich machen, während wir uns um alles drumherum kümmern“, fasst Draudt das Angebot zusammen.
Maßgeschneiderte Produtkentwicklung nach Marktanforderungen
Anfang 2023 startete das Projekt quasi auf dem leeren Blatt Papier. „Auch wenn das Konzept des Schadenmanagements bei uns natürlich nicht neu ist, gab es kein strukturiertes, verfügbareres Produkt für Fahrräder“, erinnert sich Draudt. Drei Monate lang untersuchte das Team den Markt, sprach mit Händlern, Versicherungen und anderen Marktteilnehmern. Diese Phase war entscheidend, um Potenziale zu identifizieren und Ideen zu entwickeln. Das Projekt ging im Sommer 2023 in die Umsetzung – und war unglücklicherweise gerade zum Saisonende fertig. „Die Wartezeit haben wir jedoch fürs Branding, die Nutzenargumentation genutzt“, erklärt Draudt und betont: „Der strukturierte Innovationsprozess hat sich voll bewährt. Nur so entwickelt man nicht am Markt vorbei.“
Digitalisierung und Nachhaltigkeit mitgedacht
Was unser Produkt von dem eines Mitbewerbers unterscheidet: „Wir haben eine andere Herangehensweise und schulen unsere Mitarbeiter sehr gezielt“, erklärt Draudt. „Ein Fahrradgutachten ist nicht vergleichbar mit dem für Autos. Terminologie und Materialien sind anders, die Innovationsgeschwindigkeit im Radbereich ist aktuell enorm. Das erfordert schon eine gewisse Hingabe ans Rad, um auf Augenhöhe mit Händlern kommunizieren zu können.“ Aktuell geht das Team von maximal 200 Sachverständigen aus, die später im Einsatz sein werden. „Neu an unserem Produkt ist auch die digitale Akte, in der alle Vorgänge gerichtsverwertbar dokumentiert sind, ebenso wie ein nachhaltiger Fahrradversand – falls die Distanz zwischen Händler und Gutachter zu weit ist. „Wir haben die Dienstleistung zu einer runden Sache gemacht“, fasst Draudt es zusammen.
Gute Planung zahlt auf den kommerziellen Erfolg ein
Die Ergebnisse sprechen für sich: Bereits im ersten Geschäftsjahr 2024 generierte das Projekt sechsstellige Umsätze. „Wir werten monatlich aus, was gebucht wurde“, berichtet Draudt. Ein wichtiger Erfolgsfaktor war die konsequente Ressourcenplanung. „Als externer Projektleiter konnte ich mich voll auf das Thema konzentrieren, das war Gold wert“, sagt Draudt. Der 60-Jährige bringt nicht nur Expertise, sondern auch Leidenschaft für das Thema Mobilität und vor allem Zweirad mit. Hinzu kam die Unterstützung aus dem Management, die dem Team genug Zeit für Produktentwicklung und Markterforschung verschafft hat.
Internes und externes Marketing nötig
Natürlich lief nicht alles glatt. Die Direktmarketing-Kampagne erzielte nur bei einem Teil der angeschriebenen Händler Wirkung. „Das war ein Versuch, aus dem wir gelernt haben“, sagt Draudt. Auch intern gab es Herausforderungen: „TÜV SÜD ist groß, nicht alle wissen sofort, was wir machen“. Deshalb setzt das Team auf gezielte Kommunikation. „Wir wollen in die Köpfe und Herzen der Kollegen“, betont Draudt.
Weitere Wachstumschancen
Um in die Köpfe und Herzen der Fahrradbranche zu kommen, hat das Team ambitionierte Pläne. „Wir werden lokale Events, die sogenannten Schadenforen, ausbauen und neue Vertriebskanäle entwickeln“, erklärt Draudt. Ein Webinar ist bereits in Planung, um weitere Händler zu gewinnen. Zudem überlegt das Team, wie Sachverständige noch stärker eingebunden werden können – vielleicht sogar, indem sie selbst aufs Rad steigen. Horst Draudt: „Das Fahrrad Schadenmanagement hat noch viel Potenzial.“