Wählen Sie ein anderes Land, um sich über die Services vor Ort zu informieren

//Land auswählen

Value Newsletter

Neuigkeiten aus der Zertifizierwelt

IFS Food 6.1: Verifiziertes Allergenmanagement und Food Fraud – Erfahrungen aus der Auditpraxis

Seit Juli 2018 gibt es in der Zertifizierung der Lebensmittelsicherheit in den Bereichen Allergenmanagement und Bekämpfung von Lebensmittelbetrug neue Anforderungen an die Unternehmen. Wir zeigen, wie diese damit umgehen und berichten aus der Praxis der TÜV SÜD-Auditoren.

Der International Featured Standards Food (IFS Food) formuliert die Anforderungen an Lieferanten von Endprodukten im Lebensmitteleinzelhandel und von Halbfertigerzeugnissen der Lebensmittelindustrie. Er gewährleistet, dass die hergestellten und angebotenen Waren sicher sind, den rechtlichen Vorgaben entsprechen und die Qualitätsvorgaben der Kunden erfüllen. Die im Juli 2018 veröffentlichte Version 6.1 des IFS Food formuliert speziell in den Bereichen Allergenmanagement und Bekämpfung von Lebensmittelbetrug (Food Fraud) neue Forderungen.

Allergenverschleppung effektiv vermeiden: Was bewirkt die verifizierte Überwachung?

Ergänzend zu den früheren Anforderungen müssen Unternehmen jetzt die Verifizierung der Lenkungsmaßnahmen nachweisen, die eine Minimierung der Kreuzkontamination mit Allergenen sicherstellen. In der Praxis prüfen Lebensmittelhersteller hierzu zum Beispiel anhand von Allergen-Oberflächen-Schnelltests, ob die Reinigung ihrer Arbeitsoberfläche den Anforderungen genügt. Stärker als früher kommen dabei definierte Schwellenwerte zum Tragen, die zum Teil intern festgelegt, in zunehmendem Maß aber auch in anerkannten fachlichen Studien entwickelt, wurden. Zudem kommen Provokationstests zum Einsatz, bei denen bestimmte Allergene – beispielsweise eine Pistazie – gezielt auf einer Oberfläche verrieben und die Rückstände nach einer anschließenden Reinigung gemessen werden. Auch mit Verschleppungstests, die nach einem Produktwechsel und einer entsprechenden Anlagenreinigung die ersten Päckchen nach dem Befüllen gezielt auf Allergene untersuchen, prüfen Unternehmen, ob Verunreinigungen vorliegen.

In der Auditpraxis ist bei den Unternehmen seit Inkrafttreten des IFS Food 6.1 durchaus ein stärkeres Bewusstsein festzustellen. Sie stellen sich den quantitativen Betrachtungen im Bereich der Allergene und sind darauf vorbereitet. Dass die Maßnahmenverifizierung geplant werden muss, macht sich bereits bei den Validierungen positiv bemerkbar, die in vielen Fällen besser dokumentiert sind als früher. Auffällig ist, dass viele Unternehmen oftmals sensitivere Verfahren bei der Reinigungsverifizierung einsetzen als die oft weniger sensitive Untersuchung von Allergenspuren in Endprodukten.

Zu beachten ist, dass Zöliakie oder Laktoseintoleranz nicht mit einer Allergie gleichgesetzt werden dürfen. „Glutenfreie“ und damit für Zöliakiepatienten als verträglich eingestufte Lebensmittel dürfen laut den EU-Lebensmittelregeln nicht mehr als 20 mg Gluten pro Kilogramm enthalten. Je nach Schwere der Allergie können beispielsweise Weizenallergiker bereits auf geringere Mengen mit Symptomen reagieren. Wird die festgelegte Bestimmungsgrenze von (Schnell-)Tests für Allergene – oft rund 10 mg pro Kilogramm – unterschritten, setzen Unternehmen dies oft mit einer Minimierung der Allergenverschleppung gleich. Für entsprechende Maßnahmen sollten jedoch nicht allein interne oder externe Schwellenwerte die Richtung vorgeben, sondern die Richtlinien der „Guten Herstellpraxis“ (Good Manufacturing Practice, GMP), die auch bewährte Methoden zur Verschleppungsvermeidung beschreiben. Wie die Anforderungen in die Unternehmenspraxis umzusetzen sind, wird sich auch künftig mit dem Stand der Technik ändern.

Schutz vor Lebensmittelbetrug: IFS Product Fraud Guidelines geben Umsetzungshilfe

Hinsichtlich Lebensmittelbetrugs sind IFS-Food-zertifizierte Unternehmen seit Juli 2018 zu einer dokumentierten Verwundbarkeitsanalyse nach klar definierten Kriterien verpflichtet. Auf dieser Basis müssen zertifizierte Standorte einen dokumentierten Plan zur Risikominderung und Bekämpfung von Lebensmittelbetrug mit entsprechend identifizierten Methoden zur Kontrolle und Überwachung vorlegen können.

Da der Anforderungsrahmen weit gesteckt ist, herrschte bei der Umsetzung anfangs bei vielen Unternehmen Unklarheit hinsichtlich der Tiefe, des Umfangs und des Differenzierungsgrades. Die Veröffentlichung der „Guideline Product Fraud“ des IFS sorgte hier für mehr Transparenz und schuf gleichzeitig einen Bewertungsrahmen für Audits. Der Ratgeber zeigt bewährte Verfahren und Ansätze auf, mit denen zertifizierte Organisationen Schwachstellen in ihren Lieferketten gezielt aufdecken und ausmerzen können – zum Beispiel mithilfe von Laboruntersuchungen, Lieferantenaudits, -fragebögen und -erklärungen. Viele der von TÜV SÜD zertifizierten Unternehmen reagierten bei Zweifeln mit der Auslistung der betroffenen Lieferanten oder verpflichteten gezielt neue Zulieferer, die fundierte Unterlagen, Untersuchungsberichte oder Auskünfte über den Ursprung ihrer Erzeugnisse vorlegen konnten.

Der Prüfer gleicht anhand der vorgelegten Dokumente u.a. die Empfänglichkeitsbewertung, den Vermeidungsplan und die entsprechenden Maßnahmen mit den IFS Anforderungen ab. Auch die Ergebnisse konkreter Maßnahmen wie Laborprüfungen oder Lieferantenaudits nimmt er unter die Lupe. Wie wirksam das Vermeidungskonzept in der Praxis ist, lässt sich im Rahmen eines Audits allerdings kaum nachprüfen – ebenso wenig, ob konkrete Bewertungen zur Lieferantenzuverlässigkeit korrekt vorgenommen worden sind. Hier sind die Stakeholder mit ihrer Branchen- und Lieferantenkenntnis selbst gefordert, um das Risiko von Lebensmittelbetrug weiter einzudämmen.

Weiterführende Links:

TÜV SÜD Ansprechpartner: Dr. Andreas Daxenberger, Auditor & Geschäftsfeldentwicklung Food & Feed, TÜV SÜD Management Service GmbH

Das könnte Sie auch interessieren

Tuev Sued Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit

Übersicht: Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit

Hier finden Sie die Übersicht unserer Zertifizierungsleistungen.

Erfahren Sie mehr

Wie können wir Ihnen helfen?

WORLDWIDE

Germany

German

Global

Americas

Asia

Europe

Middle East and Africa