TÜV SÜD/Starkregen/Aquaplaning
TÜV SÜD/Starkregen/Aquaplaning
22. Mai 2026
Plötzliche Platzregen gehören zu den Wetterszenarien im Sommer. „In solchen Situationen heißt es runter vom Gas“, legt Marcellus Kaup von TÜV SÜD Autofahrern ans Herz, „sonst wird die Fahrt unberechenbar und der Fahrer zum Passagier.“ Bei Aquaplaning, dem Aufschwimmen der Vorderräder, sofort Gas wegnehmen, auskuppeln oder Leerlauf einlegen und das Lenkrad gerade halten. „Keinesfalls stark bremsen oder hektisch lenken, da das Fahrzeug sonst ausbricht, sobald die Reifen wieder Grip finden“, warnt Kaup. Bei Automatik: Fahrstufe beibehalten und sanft vom Gas gehen. Ruhe bewahren, bis die Reifen wieder Kontakt zur Straße haben.
Bei Wasserglätte schiebt sich das Wasser wie ein Keil zwischen den Straßenbelag und die Autoreifen. Die Pneus können die Wassermassen nicht mehr verdrängen. Der Kontakt zur Straße wird verloren, das Fahrzeug unbeherrschbar und unberechenbar. Grundsätzlich kann Aquaplaning auf allen Straßen mit erhöhtem oder hohem Wasserstand auftreten. Erhöhte Vorsicht ist in Senken, Unterführungen, Spurrillen oder Kurven angesagt.
Das Tückische: elektronische Assistenzsysteme wie ABS und ESP quittieren bei Aquaplaning oftmals ihren Dienst, wenn sich ein Wasserkeil zwischen Reifen und Straßenoberfläche schiebt. Ihnen fehlt die nötige Rückmeldung der Sensoren, schildert der TÜV SÜD-Fachmann die gefährliche Situation. Ab wann es problematisch wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Da spielen Wassertiefe, Tempo, Reifenbreite und -druck, aber ebenso Profiltiefe und die Straßenbeschaffenheit eine Rolle. Wie auch immer, „ab etwa 70 Kilometern pro Stunde (km/h) wird es kritisch“, gibt Kaup zu bedenken. Das Aquaplaning-Verhalten eines Reifens ist zudem sehr stark vom korrekten Reifendruck abhängig. Je niedriger der Reifendruck, umso leichter schwimmt der Reifen auf. Aber auch zu viel Reifendruck kann das Risiko erhöhen.
Die meisten Unfälle infolge von Aquaplaning passieren „durch eine falsche Reaktion“, schildert der TÜV SÜD-Fachmann seine Beobachtungen: „Vielfach agieren Autofahrer in dieser Schrecksekunde falsch und drehen am Lenkrad, um auf diese Weise der Gefahrensituation zu entfliehen.“ Das Lenkrad lässt sich beim Aufschwimmen natürlich butterweich bewegen, weil die Reifen keine Bodenhaftung mehr haben. „Sobald die Vorderräder aber wieder mit der Fahrbahn in Berührung kommen, zieht das Auto schlagartig zur Seite“, warnt Kaup, „denn die Räder sind nach dem vorherigen Lenkmanöver noch eingeschlagen..
Vielfach gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen mit dem Zusatz „bei Nässe“. Doch wann gilt dieses Limit? „Eine Fahrbahn wird als nass bezeichnet, wenn sie einen vollständigen Wasserfilm aufweist, also nicht nur stellenweise, etwa in Spurrillen, nass ist“, erklärt der TÜV SÜD-Experte. In der Praxis erkennt man den kritischen Straßenzustand daran, dass die Straße spiegelt oder ein vorausfahrendes Auto deutliche Fahrrillen hinterlässt. Entsprechenden Warnschildern sollte man stets glauben. „Die Zusatzschilder ‚bei Nässe‘ sind meist ein Indiz dafür, dass man auf einer Aquaplaning-anfälligen Strecke unterwegs ist“, betont Kaup.
Pressekontakt: Vincenzo Lucà