TÜV SÜD/Sicherheit/Erntefahrzeuge
TÜV SÜD/Sicherheit/Erntefahrzeuge
22. Juli 2026
Überbreite Mähdrescher, deren Aufbauten weit in die Gegenfahrbahn hineinragen oder bis zu 18 Meter lange Traktorenzüge mit mehreren Anhängern sind nur zwei der besonderen Gefahren, die während der Erntezeit auf ländlichen Straßen lauern. „Auto- wie Motorradfahrer sollten jetzt an Kreuzungen, wo die Erntemaschinen sehr langsam abbiegen, besonders wachsam sein. Häufig schätzen andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit der Kolosse falsch ein und es kommt zu folgenschweren Kollisionen“, skizziert Marcellus Kaup von TÜV SÜD die saisonale Gefahrenlage. Im Bereich der Ein- und Ausfahrten von Feldern muss man überdies mit stark verschmutzten Fahrbahnen rechnen. „Bei Regen verwandeln sich dann die Erdklumpen in eine gefährliche Rutschbahn. Das heißt dann, fahren wie auf Glatteis, mitten im Sommer“, sagt Kaup.
Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen anzupassen, verweist Kaup auf den Paragrafen drei der Straßenverkehrsordnung (StVO): „Also runter vom Gas und stets bremsbereit sein“, empfiehlt er. Nicht nur an Einmündungen oder bei verdreckten Fahrbahnen ist erhöhte Vorsicht angesagt, auch auf vermeintlich freier Strecke. „Mit starker Staubentwicklung muss man immer rechnen, wenn man entlang abgeernteter Felder fährt, dort noch Getreide geerntet wird oder Landmaschinen auf Feldwegen fahren“, warnt der TÜV SÜD-Fachmann.
Entgegenkommende Großerntemaschinen können ebenfalls zu einer Kollisionsgefahr werden, vor allem bei schlecht einsehbaren Kurven oder an Kuppen. Mitunter verdecken Aufbauten oder überstehende Ladung die Fahrtrichtungsanzeiger der Erntehelfer. Vielfach hat auch bei Feldarbeit hoch spritzender Dreck die Beleuchtungsanlage abgedeckt. Man sieht weder Bremslicht noch Schlusslicht oder Fahrtrichtungsanzeiger. Zudem kann schlecht gesicherte Fracht – etwa Heuballen – ganz oder teilweise herabfallen. „Deshalb behutsam an die Ungetüme heranfahren, Abstand wahren und stets bremsbereit sein“, mahnt der Fachmann.
Landwirtschaftliche Fahrzeuge können bis zu drei Meter breit sein, mit gelbem Rundumblinklicht und rot-weißen Warntafeln sogar noch breiter. Darauf sollten sich entgegenkommende wie überholende Kraftfahrer einstellen und vorsichtig vorbeifahren. Auf engen Straßen ist es besser, nicht zu überholen und bei nahenden Giganten am äußersten rechten Straßenrand anzuhalten. Auch der vergrößerte Kurvenradius von Erntemaschinen ist tückisch. „Biegen sie nach rechts ab, holen sie oft weit über die Straßenmitte nach links aus“, skizziert Kaup das Gefahrenmoment. Voluminöse Arbeitsgeräte wie etwa Pflüge oder Eggen am Traktorenheck schwenkten entgegen der Abbiegerichtung aus. Vorsicht ist bei Mähdreschern und Häckslern geboten. Sie werden über die Hinterachse gelenkt, weshalb das Heck beim Abbiegen stark ausschert. Dadurch verengt sich die Fahrbahn erheblich. Hier gilt ebenfalls: nicht überholen und gegebenenfalls anhalten.
Pressekontakt: Vincenzo Lucà