Batteriebetriebene Elektrofahrzeuge

TÜV SÜD Impulse: Sicherheit und Risiken batteriebetriebener Elektrofahrzeuge

TÜV SÜD Impulse: Sicherheit und Risiken batteriebetriebener Elektrofahrzeuge

In den letzten Jahren wird die Sicherheit von Elektrofahrzeugen vermehrt diskutiert. In der Bewertung gibt es große Unterschiede zwischen dem wissenschaftlichen und dem öffentlichen Diskurs. Im Rahmen des TÜV SÜD Online-Impulses „Batteriebetriebene Elektrofahrzeuge: Sicherheit und Risiken unter die Lupe genommen“ diskutierten Experten über den richtigen Umgang mit verunfallten E-Autos, Herausforderungen im Recycling und potenzielle Risiken für Umwelt und Natur. Durch den virtuellen Expertengipfel führte Moderatorin Dr. Gudrun Ghezzo.

Wien, 8. November 2021 – Laut Statistik Austria stieg die Zahl der Neuzulassungen von E-Autos vom ersten Halbjahr 2020 (4805 Autos) auf 15.347 E-Autos im ersten Halbjahr 2021 - und damit fast um 220 Prozent. Bei TÜV SÜD sind weltweit rund 7.000 Spezialistinnen und Spezialisten im Bereich der Mobilität tätig, batteriebetriebene Elektrofahrzeuge nehmen dabei einen immer größeren Stellenwert ein. „TÜV SÜD ist seit vielen Jahren in der Analyse von risikorelevanten und sicherheitstechnischen Aspekten der E-Mobilität aktiv. Ein wichtiger Teilbereich unserer Aufgaben besteht auch darin, Aufklärungsarbeit zu leisten, da sich die öffentliche Wahrnehmung hinsichtlich des Gefahrenpotenzials von E-Fahrzeugen in vielen Fällen nicht mit dem Stand der Wissenschaft deckt“, sagt Dr. Robert Hermann, Geschäftsbereichsleiter für Green Energy und Sustainability bei TÜV SÜD in Österreich. „Derzeit gibt es rund zwei Millionen E-Fahrzeuge in Europa, bis 2025 steigt deren Anzahl laut Prognosen auf 7 bis 8 Millionen. Ein weitverbreiteter Mythos ist, dass mit dem Betrieb von E-Fahrzeugen ein höheres Brandrisiko einhergeht. Das stimmt jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Konventionelle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor haben statistisch betrachtet eine fünf- bis zehnmal höhere Brandgefahr pro gefahrenem Kilometer als E-Fahrzeuge“, so der Sicherheitsexperte.

Risiken von E-Fahrzeugen ganzheitlich erfassen
DI Dr. Hannes Kern von IRIS (Industrial Risk and Safety Solutions) beschäftigt sich mit der Produktion, Nutzung, Verwertung und Entsorgung von Batterien und entwickelt Risikolandkarten, um das gesamte Spektrum der E-Mobilität abzubilden. Da bei Risikobewertungen oft nur Einzelaspekte beleuchtet werden, plädiert er für ganzheitliche Themencluster. Denn neben technischen Risiken gilt es auch Umwelt, Produktionsprozesse oder politische Verkehrsinitiativen einzubeziehen. „Neben der Fahrzeugtechnik selbst, bringt die Elektromobilität eine Vielzahl von Veränderungen mit sich, welche weit über die direkte Nutzung von Fahrzeugen hinaus gehen. Mit dieser Entwicklung ändert sich auch die Risikolandschaft des Mobilitätssektors, beginnend bei der Produktion von Fahrzeugkomponenten über die Nutzung bis hin zum Recycling. Die Kenntnis über die Veränderung der Risiken erlaubt es auch in Zukunft adäquate Sicherheitskonzepte zu entwerfen, welche die Transformationsprozesse in der Mobilität optimal unterstützen“, berichtet der Experte.

Seitens des Österreichischen Feuerwehrverbands erläutert Dipl.-Päd. Ing. Hubert Springer Techniken und Taktiken der Feuerwehr im Umgang mit brennenden E-Autos. „Die österreichischen Feuerwehren haben aufgrund einer geringen Anzahl an Vorfällen mit Elektrofahrzeugen wenig Einsatzerfahrung, die einsatztechnischen und –taktischen Grundlagen sind jedoch vorhanden“, betont er. Ein Unterschied zu herkömmlichen Verbrennern bestehe darin, dass ein Elektrofahrzeug nach dem konventionellen Ablöschen in trockene Quarantäne gestellt werden muss, da weitere Reaktionen der Lithium-Ionen-Batterie nicht auszuschließen sind. „Präventives Fluten der Antriebsbatterie ohne Anzeichen einer exothermen Reaktion ist jedenfalls keine adäquate Einsatzmaßnahme“, so Springer. Die österreichische Feuerwehr trägt alle Informationen und neuen Erkenntnisse rund um dieses Thema zusammen und betreibt Aufklärung. Die Bündelung von Wissen dient der Förderung eines standardisierten Vorgehens, um bei Unfallereignissen noch effizienter agieren zu können.

Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft vor Herausforderungen
Univ.-Prof. Dipl. Ing. Dr. Roland Pomberger von der Montanuniversität Leoben berichtet über Herausforderungen für die Abfallwirtschaft, die sich beispielsweise im Bereich des Batterie-Recyclings ergeben. „Momentan sind die meisten Recycling Konzepte auf ausgebaute, nicht beschädigte Batterien zugeschnitten. Die Möglichkeiten zur Wiederverwendung beziehungsweise -aufbereitung sind jedoch abhängig vom Beschädigungsgrad – hier gilt es, neue Strategien zu entwickeln. Die Montanuniversität arbeitet in diesem Zusammenhang seit Jahren eng mit der Industrie zusammen, um neue Lösungen zu finden.“ Denn beschädigte Batterien würden ganz andere Lager- und Transportrisiken mit sich bringen. Pomberger betont, dass es „äußerst wichtig“ sei, „alle Mitglieder der Ressourcenwirtschaft, sprich Hersteller, Demontage, Verwertung, Entsorgung etc. an einen Tisch zu bringen“, um eine systemische Analyse über die gesamte Wertschöpfungskette zu entwickeln. Seiner Meinung nach fehlen Klassifizierungen und Kategorisierungen von E-Altfahrzeugen in Bezug auf Recycling, eine Abfallklassifikation je nach Zustand, die Eignungsprüfungen von bestehenden Recyclingverfahren, vertiefende Emissionsanalysen von verunfallten E-Autos, chemische Analysen von veränderten Batterien sowie die Klärung von abfall- und genehmigungsrechtlichen Fragen.

Welche Chancen und Herausforderungen sich für die Fahrzeugverwertung ergeben, behandelte Sebastian Raubinger von der Firma SEDA-Umwelttechnik. „Wenn die Batterie erstmal herausgenommen wurde, handelt es sich im Endeffekt um ein herkömmliches Fahrzeug – die Flüssigkeiten werden herausgezogen und die Teile ausgebaut.“ Bedingt durch den Ausbau der E-Mobilität sieht er zwei große Veränderungen für Fahrzeugverwerter. Diese betreffen zum einen das Equipment, da man Platz braucht, um verunfallte Fahrzeuge gegebenenfalls sicher aufzubewahren. Zudem muss das Personal für Themen wie „Arbeiten mit Hochvolt“ oder Risiko-Management geschult werden. SEDA unterstützt dabei auch andere Fahrzeugverwerter bei Genehmigungsverfahren, hilft bei der Beschreibung interner Prozesse, zeichnet Flussdiagramme und erstellt Risikoanalysen.

Über TÜV SÜD in Österreich
TÜV SÜD in Österreich ist der Spezialist für Industrie, Mobilität und Zertifizierung. Das Unternehmen ist verantwortungsbewusster Prozesspartner in den Kernkompetenzen Prüfung, Tests, Gutachten, Zertifizierung sowie Ausbildung und begleitet Kunden in der gesamten Wertschöpfungskette. Über 200 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Standorten in Wien, Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg ermöglichen Kunden nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg und leisten einen wesentlichen Beitrag zu Sicherheit und Zuverlässigkeit technischer Innovationen. TÜV SÜD in Österreich ist eine Tochtergesellschaft von TÜV SÜD und Teil des weltweiten Kompetenznetzwerks mit über 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an über 1.000 Standorten in mehr als 50 Ländern.

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Pressekontakt: Sylke Kanits

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