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Neue Kriterien bei Zertifizierung von Energiemanagementsystemen nach ISO 50001

Ab September gelten neue Zertifizierungsregeln für Energiemanagementsysteme nach der ISO 50001. Was ändert sich für Unternehmen konkret?

Die Akkreditierungsnorm ISO 50003 muss von allen Zertifizierungsgesellschaften, die Energiemanagementsysteme (EnMS) nach der ISO 50001 zertifizieren, bis spätestens 14. Oktober 2017 umgesetzt sein. Die ISO 50003 definiert „Anforderungen an Stellen, die Energiemanagementsysteme auditieren und zertifizieren“. Mit unserer aktuellen Akkreditierung für EnMS vom 1. September 2017 wurde der TÜV SÜD Management Service von der Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) bestätigt, dass die Anforderungen normenkonform umgesetzt wurden.

Die neuen Regelungen betreffen alle Erst- und Wiederholungszertifizierungen, bei denen das ISO 50001-Zertifikat ab dem 1. September 2017 ausgestellt wird. Für bestehende Zertifizierungen gewährt die DAkkS einen Übergangszeitraum bis zum jeweiligen Ablauftermin der Zertifikate, sodass die Überwachungsaudits zunächst nicht betroffen sind.

Die ISO 50003 bringt vier wesentliche Veränderungen in die EnMS-Zertifizierung, die in erster Linie die Zertifizierungsgesellschaften in technisch-organisatorischer Weise betreffen. Für Unternehmen von unmittelbarer Bedeutung: eine Änderung bezüglich des Nachweises der tatsächlich erreichten Verbesserung der Energieeffizienz.

Die Neuerungen im Überblick

Mit der ISO 50003 halten neue Regeln für die Berufung von Auditoren Einzug in die ISO 50001. Definiert sind acht technische Bereiche, in denen Auditoren eine Qualifikation vorweisen müssen. TÜV SÜD Management Service hat seine Auditoren in den vergangenen Monaten geschult, nach den Kompetenzanforderungen der technischen Bereiche neu bewertet und entsprechend berufen.

Die ISO 50003 bringt darüber hinaus neue Vorgaben für die Bestimmung der Auditzeit. Grundsätzlich leitet sich der Auditaufwand zwar nach wie vor aus der Mitarbeiterzahl und der Energiekomplexität ab. Allerdings wird die Energiekomplexität nach der ISO 50003 über die Kriterien jährlicher Gesamtenergieverbrauch, der Anzahl der eingesetzten Energiequellen und der Anzahl der wesentlichen energierelevanten Anlagen bzw. Prozesse (Hauptverbraucher) bestimmt. Auch die Ermittlung der maßgebenden Mitarbeiterzahl wird geändert. Es werden nur jene Mitarbeiter berücksichtigt, die wesentlichen Einfluss auf das EnMS, auf den wesentlichen Energieverbrauch bzw. auf die Energieeffizienz haben. Für Unternehmen, die sich zertifizieren lassen, heißt das, sie müssen dem Zertifizierer im Vorfeld mehr und detailliertere Informationen zur Verfügung stellen, damit dieser die Auditzeit kalkulieren kann.

Zusätzlich wird in der ISO 50003 erläutert, wie die bestehenden internationalen Regeln für Stichprobenzertifizierung bei Unternehmen mit mehreren Standorten für ein EnMS anzuwenden sind. So sind zum Beispiel bei der Stichprobenauswahl seitens des Zertifizierers auch der Energieverbrauch und die Energiekomplexität der Standorte zu berücksichtigen.

Unternehmen: EnMS muss fortlaufende Verbesserung erbringen

So viel zu den Änderungen, um die sich Unternehmen weitgehend nicht aktiv kümmern müssen. Anders verhält sich das mit dem Nachweis der fortlaufenden Verbesserung der energiebezogenen Leistung. Die EnMS-Auditoren müssen in allen Audits nach ISO 50001 (Zertifizierungsaudits, Überwachungs- und Wiederholungsaudits) Nachweise vom Kunden erfassen und im Auditbericht dokumentieren, welche Aktivitäten der Kunde unternommen hat, um den Energieeinsatz zu verbessern, den Energieverbrauch zu senken bzw. die Energieeffizienz zu steigern, und welche Verbesserungen er damit erzielt hat. Die Bestätigung, ob eine fortlaufende Verbesserung der energiebezogenen Leistung nachgewiesen ist, muss bei der Zertifikatsentscheidung berücksichtigt werden. Dadurch wird es für die Unternehmen noch wichtiger als bisher, nicht nur die eigenen Prozesse und Anlagen energetisch wirksam zu optimieren, sondern die umgesetzten Maßnahmen objektiv und für den Zertifizierer leicht nachvollziehbar nachzuweisen.

Relevant für die Nachweisführung sind

  • die realisierten abgerechneten Energieziele (quantifizierte Einsparprojekte in kWh),
  • die umgesetzten Einzel-Aktionen zur Verbesserung der Energieeffizienz (Einsparung in kWh dargestellt),
  • die Messung der Energieeffizienz mittels Energieleistungskennzahlen (EnPI – en: energy performance indicator) im Vergleich mit der Ausgangsbasis (EnB – en: energy base line).

Da die wir schon immer daran interessiert war, den Mehrwert des Systems in Zahlen darzustellen, bleiben die Änderungen für unsere Kunden in überschaubarem Rahmen; unsere Auditoren werden diese Punkte künftig lediglich noch differenzierter und genauer verfolgen sowie ausführlicher dokumentieren, als sie das in der Vergangenheit ohnehin schon getan haben.

Hilfestellung aus der ISO-Familie

Unterstützung bei der Messung der energiebezogenen Leistung und der Methoden zur Verifizierung der erreichten Effizienzverbesserungen bieten verschiedene andere ISO-Normen. Das sind vor allem die ISO 50006, die ISO 50015 und ISO 50047. In der ISO 50006 stecken Anleitungen zur Aufstellung, Nutzung und Anpassung von Energieleistungskennzahlen (EnPI) und zur Definition einer sinnvollen Ausgangsbasis (EnB), von der aus Verbesserungen bewertet werden sollen. Die ISO 50015 – Leitfaden zur Messung und Verifizierung – liefert Vorschläge, wie sich Messungen zur Bewertung von Energieeinsparmaßnahmen idealerweise planen und durchführen lassen, rückverfolgbar und objektiv nachweisbar. Und nicht zuletzt hilft die ISO 50047 bei der Bestimmung von Energieeinsparungen durch eine Anleitung der erforderlichen Vorgehensweise.

Zusammengefasst: Die Integration der ISO 50003 in den ISO 50001-Zertifizierungsprozess bringt zwar viele Änderungen mit sich, die meisten haben aber keine direkten Auswirkungen auf den EnMS-Alltag eines Unternehmens. Allerdings ist die Bedeutung von Verbrauchsmessungen unter Berücksichtigung von wesentlichen Einflussgrößen und die Festlegung, Messung und Bewertung von sinnvollen Energieleistungskennzahlen nicht zu unterschätzen, um die energiebezogenen Leistung des eigenen Unternehmens fortlaufend verfolgen, steuern und nachweisen zu können. Unternehmen sollten sich jetzt intensiv und systematisch darum kümmern. Denn davon hängt der Erfolg des EnMS ab.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer EnMS-Website

Ansprechpartner: Klaus-Dieter Fürsch, Product Compliance Manager EnMS

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