Wählen Sie ein anderes Land, um sich über die Services vor Ort zu informieren

//Land auswählen

Der TÜV SÜD Lebensmittel-Profi

Melden Sie sich für den für Sie passenden TÜV SÜD Newsletter an.

Food Fraud: Lebensmittelbetrügern effektiv auf der Spur

WasTuev-Sued-Lebensmittelprofi7 haben Weihnachtsplätzchen mit Fischkonserven gemein? Sie enthalten betrugsanfällige Inhaltsstoffe. Während Forschung und Politik inzwischen Hand in Hand an der Betrugserkennung arbeiten, können Unternehmen ihr Risiko per Excel-Tool kostenfrei selbst abschätzen.

Mandelspekulatius, Honigkuchen und Zimtsterne wecken nicht nur sehnsuchtsvolle Erinnerungen an wohlig-weihnachtliche Winterabende – es stecken auch einige Zutaten in ihnen, die als besonders anfällig für Lebensmittelbetrug gelten. Gewürzmischungen und Honig etwa sind relativ hochpreisig und bergen damit ein hohes finanzielles Gewinnpotenzial für Betrüger. Diese ersetzen beispielsweise wertvolle Inhaltsstoffe durch billigen Ersatz, strecken Gewürze mit preisgünstigem Senfmehl, fälschen Herkunftsangaben oder kennzeichnen das Produkt fälschlicherweise als Bio-Lebensmittel. Der betrügerische Einfallsreichtum ist groß und die Gefahr, erwischt zu werden, nach wie vor vergleichsweise gering – nicht zuletzt angesichts der immer globaleren Futter- und Lebensmittellieferketten.

Lebensmittelverfälschungen dienen in erster Linie dem Erzielen eines wirtschaftlichen Vorteils. In etlichen Fällen können damit auch ernste Gefahren für Verbraucher einhergehen – so bereits geschehen durch den nicht gekennzeichneten Zusatz von allergieauslösenden Stoffen (Mandelschalen in Gewürzen) oder die Beimischung von gesundheitsschädlichen Stoffen (Melamin in Milchpulver).

Neue Strategien und Tools im Kampf gegen Lebensmittelbetrug

Forschungsprojekte wie „FoodAuthent“ arbeiten daran, Lebensmittelbetrug leichter erkennen zu können. Dieses Teilprojekt des Forschungsprogramms „Herkunftsnachweis von Lebensmitteln" des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft arbeitet an einem System zur Sammlung, Analyse und Verwertung von Produktauthentizitätsdaten. Gleichzeitig will es die Rahmenbedingungen zum routinemäßigen Einsatz von chemisch-analytischen Fingerprinting-Verfahren weiterentwickeln. Im Ergebnis soll eine Referenzdatenbank mit unverfälschten chemischen Fingerabdrücken der einzelnen Produkte entstehen, die es ermöglicht, beabsichtigte oder unbeabsichtigte chemische Abweichungen in der Produktqualität zu identifizieren. Die Problematik dahinter: Bislang können oft nur die Manipulationen in Lebensmitteln gefunden werden, die bereits bekannt sind. Bis dato unbekannte – und damit unerwartete – Zusätze und Abweichungen bleiben dagegen in vielen Fällen unentdeckt.

Zudem verfolgen EU-weite Initiativen das Ziel, Betrügern auch grenzübergreifend auf die Schliche zu kommen. So übernimmt das „Food Fraud Network“ (FFN) seit 2013 die Aufgabe, Anfragen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Betrugsbekämpfung zu koordinieren. Mit Erfolg: Die Zahl der Kooperationen ist von 30 im Jahr 2013 auf über 100 im Jahr 2015 gestiegen.

Seit Ende 2015 sorgt überdies das „Administrative Assistance and Cooperation (AAC) System“ für einen reibungslosen Austausch von Verwaltungsinformationen zwischen den nationalen Behörden im grenzüberschreitenden Kampf gegen Manipulationen von Lebens- und Futtermitteln.

So können sich Unternehmen vor Verfälschungen in Lebensmitteln schützen

Damit produzierende Unternehmen in der Lebensmittelkette sich vor Betrug schützen und ihren Kunden sichere Produkte liefern können, müssen sie ihre Rohstoffe genau im Blick haben. Welche davon sind anfällig für Verfälschungen? Gibt es analytische Verfahren, die Verfälschungen erkennen können? Wie ist die Situation auf dem Markt? Wer ein – zum Beispiel aufgrund schlechter Ernten – knappes Produkt zur Hälfte des Marktpreises erwirbt, kauft sich damit zugleich ein besonders hohes Risiko ein. Je höher die Wahrscheinlichkeit einer Manipulation ist, desto feinmaschiger müssen entsprechende Maßnahmen etabliert werden, beispielsweise gezielte Laboranalysen der Rohmaterialien.

Seit Januar 2016 hilft ein kostenfreies Excel-Tool Unternehmen dabei, ihr Risiko selbst abzuschätzen – und zwar unabhängig von ihrem geografischen Standort, ihrer Größe oder ihrer Rolle in der Lebensmittelkette. Das „Food Fraud Vulnerability Assessment Tool“ wurde von der internationalen Non-Profit-Organisation SSAFE in Zusammenarbeit mit PwC entwickelt und zieht vergangene Betrugsfälle ebenso zur Risikobewertung heran wie sozio-ökonomische Themen. Anhand konkreter Fragen führt das Tool Unternehmen durch eine detaillierte Schwachstellenanalyse inklusive Dokumentation, wie sie auch die Global Food Safety Initiative (GSFI) in ihrem jüngsten Guidance Document fordert. Hat das Unternehmen viele Zulieferer? Sind die Rohmaterialien gut auf dem Markt verfügbar oder gibt es Engpässe? Für ein aussagekräftiges Ergebnis ist jedoch eine ehrliche und kritische Selbsteinschätzung erforderlich – nicht zuletzt bei Aspekten wie den gelebten ethischen Werten innerhalb der Organisation, der Rolle besonders günstiger Einkaufspreise und dem Preisdruck auf dem Absatzmarkt. Das ist nur möglich, wenn Unternehmensführung und Unternehmensphilosophie entsprechende Initiativen zur Betrugserkennung unterstützen.

Perfekt vorbereitet auf das Lebensmittelaudit

Ob IFS, BRC oder FSSC 22000 – die gängigen Standards für die Lebensmittelproduktion haben das Thema Food Fraud aufgegriffen. Wer die Schwachstellen in seinem Unternehmen also kennt, die Risiken sorgfältig bewertet und Gegenmaßnahmen ergriffen hat, ist damit in diesem Bereich bereits gut für den Besuch seines Auditors gerüstet.

Bei der Zertifizierungen nach IFS, BRC oder FSSC 22000 werden im Audit nicht nur die Prozesse des Lebensmittelverarbeiters genauestens unter die Lupe genommen, sondern auch die eingesetzten Rohstoffe. Der Auditor stellt sich folgende Fragen: Welche Produkte könnten ganz einfach durch minderwertigere Inhaltsstoffe verfälscht werden? Liegt eine Food-Fraud-Risikobewertung vor, und wird diese regelmäßig aktualisiert? Welche Risiken wurden identifiziert? Hat das Unternehmen Maßnahmen zur Risikominimierung implementiert und sind diese wirksam? Wo könnten Qualitätsmängel bestehen? Welche regionalen Versprechungen sind möglicherweise nicht erfüllt?

Zudem untersucht der Auditor im Rahmen der vorgeschriebenen Rückverfolgbarkeitstests auch Warenströme und Massenabgleichsysteme: Wie viele Rohstoffe hat ein Unternehmen erhalten, wieviel Ware wurde daraus produziert? Bei Bio-Lieferanten gibt ein Blick auf die zur Verfügung stehende Anbaufläche Aufschluss darüber, ob eine bestimmte Menge überhaupt geliefert werden kann.

Ein Unternehmen, das sich diese Fragen im Zuge seiner Risikobetrachtung auch selbst regelmäßig stellt, geht damit schon einen wichtigen Schritt zu einem wirkungsvollen Schutz vor Lebensmittelbetrug – und kann der gewürzduftenden Vorweihnachtszeit ebenso gelassen entgegenblicken wie seine Kunden.

TÜV SÜD Ansprechpartner: Susanne Lange, Produktmanager Food in der Zertifizierungsstelle der TÜV SÜD Management Service GmbH

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Tuev Sued Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit

Übersicht: Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit

Hier finden Sie die Übersicht unserer Zertifizierungsleistungen.

Erfahren Sie mehr

Wie können wir Ihnen helfen?

WORLDWIDE

Germany

German

Global

Americas

Asia

Europe

Middle East and Africa