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Überflieger in Sachen Vielseitigkeit

Insicht - Das Digitaljournal von TÜV SÜD Product Service

Überflieger in Sachen Vielseitigkeit

Die Drohne hat sich vom militärischen Aufklärer und futuristischen Objekt für Gadget-Verliebte zum hochfliegenden Multitalent mit unzähligen Einsatzgebieten entwickelt. Neben dem semiprofessionellen Markt mit leichtgewichtigen Drohnen von oft nur wenigen Hundert Gramm boomen auch professionelle Flugobjekte von über zwei Kilogramm. Allein in Deutschland gehen knapp eine halbe Million Drohnen regelmäßig in die Luft. Gut 20.000 davon werden kommerziell eingesetzt – Tendenz steigend: Drohnen liefern atemberaubende Luftaufnahmen für Filme, übernehmen an schwer zugänglichen Stellen Inspektionsaufgaben und ersetzen mancherorts bereits den guten alten Postboten, indem sie online bestellte Waren zielsicher vors Haus liefern.

Die Geschichte der Drohne reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück: Im Sommer 1849 schickten die Österreicher erste unbemannte, mit Bomben bestückte Ballons gen Himmel, um Venedig anzugreifen. Mit nur mäßigem Erfolg: Der Wind spielte gegen die Angreifer und blies einige Ballons auf österreichisches Gebiet zurück, um dort den für Italien geplanten Schaden anzurichten. Im Zweiten Weltkrieg halfen funkgesteuerte Drohnen dabei, die Flugabwehr der US-Armee zu trainieren. Das stärkste Modell brachte es damals auf etwa 130 km/h und konnte sich gut eine Stunde lang in einer Höhe von bis zu 2.400 km aufhalten.

Zur Zeit des Kalten Krieges avancierte die Drohne mehr und mehr zum Aufklärer. Die Vereinigten Staaten nutzten sie in den 60er- Jahren zum Beispiel, um Kuba, Vietnam, China und Nordkorea auszuspionieren. In jüngster Zeit haben zahlreiche Unternehmen die Stärken der ferngesteuerten Multitalente für sich entdeckt und lassen sie unterschiedlichste Aufgaben erledigen.

Vielseitigkeit Drohnen

Unbegrenzte Einsatzgebiete für Drohnen

Drohnen werden vor allem dort eingesetzt, wo ihre Stärken gefragt sind: die rasche Erfassung per Foto bzw. Video und die Erschließung schwer zugänglicher Gebiete. So dienen sie in Katastrophengebieten oft als zuverlässige Späher, die die Lage vor Ort sondieren, mittels Sensoren mögliche Schadstoffbelastungen erfassen und dank Wärmebildkameras Verschüttete aufspüren. Die sog. Defi-Drohne hat für den Notfall sogar einen Defibrillator mit an Bord.

Drohnen überwachen Großveranstaltungen aus der Luft, besprühen Felder mit Schädlingsbekämpfungsmittel und übernehmen in Unternehmen vielfältige Transport- und Inventuraufgaben. Selbst bei Archäologen erfreut sich die Drohne großer Beliebtheit, indem sie schwer begehbare Fundorte inspiziert und so ein besonders schönes Beispiel dafür liefert, was moderne Technik für die Bewahrung der Vergangenheit tun kann.

Himmelhohe Erfolgsprognosen in Europa und weltweit

Vor allem in den USA hat die Drohne ganze Branchen mit neuen Ideen beflügelt. Versandhäuser liefern innerhalb von 30 Minuten nach Bestellung – natürlich per Drohne – und eine neue Berufssparte, der Drohnenjournalismus, hat sich erfolgreich etabliert: Dank einer Sondergenehmigung der US-Flugsicherheitsbehörde FAA darf CNN Air für seine Berichterstattung Drohnen einsetzen, um buchstäblich flugs vor Ort zu sein.

Auch in Europa soll der Bereich Drohnen für wirtschaftliche Höhenflüge sorgen: Laut Einschätzung der Europäischen Kommission wird er bis zum Jahr 2035 mehr als 100.000 Menschen beschäftigen und jährlich mehr als 10 Milliarden EUR erwirtschaften – vorrangig im Dienstleistungssektor und bei der Überwachung von Gebäuden, Industrieanlagen und Kraftwerken.

Neue Drohnen-Gesetze in der EU

Die rechtlichen Grundlagen für Drohnenflüge waren bisher oft vage und unklar. Ab dem zweiten Quartal 2019 gelten jedoch EU-weit einheitlich gültige Drohnen-Regeln und -Gesetze. Sie werden durch länderspezifische Vorgaben ergänzt, die zusätzlich erfüllt werden müssen. Darunter fällt zum Beispiel die Festlegung eines Mindestalters für Drohnenpiloten. 

Die neuen EU-Vorschriften geben Leitgrundsätze für die Sicherheit, die Gefahrenabwehr und den Schutz der Privatsphäre sowie den Schutz personenbezogener Daten. Je nachdem, welche potenzielle Gefahr von einem Drohnen-Flug ausgeht, gelten hierbei unterschiedliche Regelungen. Dazu müssen Drohnen-Hersteller ihre Produkte künftig mit einer Kennzeichnung versehen, der sog. CE-Klasse, die das Risiko angibt. Die EU sieht fünf Risikokategorien (C0, C1, C2, C3, C4) und drei Anwendungsgebiete (Open, Specific und Certified) vor. 

Drohnen-Risikoklassen auf einen Blick

Klasse C0
• Unter 250 g Startgewicht (auch selbst gebaute unter 250 g)
• Muss EU-weite Spielzeugsicherheitsrichtlinien (2009/48/EC) erfüllen oder unter 19 m/s Geschwindigkeit bleiben sowie einstellbares Höhenlimit haben
• Keine scharfen Kanten
• Pilot muss Gebrauchsanweisung lesen.
• Es darf über Menschen (nicht über Menschenansammlungen) geflogen werden.

Klasse C1
• Drohnen unter 80 Joule Bewegungsenergie oder unter 900 g Abfluggewicht
• Geschwindigkeit auf 19 m/s begrenzt
• Muss einstellbares Höhenlimit besitzen
• Keine scharfen Kanten
• Drohne benötigt eine elektronische ID und eine automatische GEO-Flugbeschränkungsüberwachung
• Pilot muss Gebrauchsanweisung lesen, das Online-Training inkl. Prüfung absolviert haben (kleiner Drohnen-Führerschein), sich registrieren und seine  Registrierungsnummer mittels Plakette auf der Drohne anbringen.
• Es darf über Menschen, aber nicht über Menschenansammlungen geflogen werden.

Klasse C3 und C4
• Drohnen unter 25 kg Abfluggewicht
• Muss einstellbares Höhenlimit besitzen
• Benötigt eine elektronische ID und eine automatische GEO-Flugbeschränkungsüberwachung
• Kein automatischer bzw. autonomer Flug erlaubt
• Pilot muss Gebrauchsanweisung lesen, das Online-Training inkl. Prüfung absolviert haben (kleiner Drohnen-Führerschein), sich registrieren und seine Registrierungsnummer mittels Plakette auf der Drohne anbringen.
• Es darf nur außerhalb von Städten geflogen werden und nur dort, wo keine unbeteiligten Personen gefährdet werden können.

Anwendungsgebiete

Open
• Für Drohnen und Flüge mit geringem Risiko
• Maximale Flughöhe 120 m und Flug nur in Sichtweite
• Versicherungspflicht, Mindestalter und Flugbestimmungen auf Länderebene festgelegt
• Plakette/Kennzeichen mit Registrierungsnummer des Piloten ab Klasse C1

Specific
• Für Drohnen-Einsätze, die eine oder mehrere Vorgaben der Kategorie Open überschreiten (z. B. Flüge über 120 m oder Flüge  außerhalb der Sichtweite)
• Spezielle individuelle Ausnahmegenehmigungen erforderlich
• Es wird definierte Standardszenarien geben, die man auch ohne Ausnahmegenehmigung durchführen kann, wenn man eine gesonderte „kleine“ UAS-Operator-Lizenz/-Zertifizierung hat. Diese Lizenz nennt sich: Light UAS Operator Certificate (LUC).

Certified
• Gedacht für Spezialanwendungen (z. B. in der Industrie, Transportwesen etc.)
• Spezielle Lizenzen erforderlich (für die Drohne und den Piloten)


Warum die Prüfung von Drohnen wichtig ist

 

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