Presse und Medien

21. November 2022

Die tödliche Sekunde

„Wer ehrlich ist, wird zugeben, dass er irgendwann schon einmal in einen so genannten Sekundenschlaf gefallen ist“, glaubt Eberhard Lang von TÜV SÜD. Manchem Autofahrer macht erfahrungsgemäß auch die Umstellung auf die Winterzeit mehrere Tage lang mit entsprechenden Müdigkeitsattacken zu schaffen. Laut Unfallforschern ist der Kurzschlaf am Steuer noch vor Alkohol- und Drogenmissbrauch die häufigste Ursache von Verkehrsunfällen.

Autohersteller versuchen der tückischen Müdigkeitsattacke technisch zu Leibe zu rücken. Sogenannte Müdigkeitswarner überwachen etwa die Lidschlagfrequenz oder werten Lenk- und Bedienverhalten aus. Registriert die Elektronik Auffälligkeiten, erfolgt zumeist akustisch eine Warnung. „Das ist sicherlich ein Sicherheitsplus“, findet der TÜV SÜD-Fachmann, „aber die wichtigste Vorsorge bleibt–- nur ausgeschlafen fahren und bei langen Fahrten regelmäßig Pausen machen.“

Fallen einem die Augen zu, erschrickt man plötzlich und hat ruckartige, unwillkürliche Kopfbewegungen, dann war der Fahrer bereits dem Sekundenschlaf verfallen. Allgemein gilt, dass man bei längeren Fahrten spätestens nach zwei Stunden die erste Pause einlegen sollte.

Bei einer Müdigkeitsattacke von gerade einmal zwei Sekunden legt ein Fahrzeug mit 100 km/h 56 Meter unkontrolliert zurück. Der Fahrer schläft. „Dennoch wird die Gefahr, die von einem Sekundenschlaf ausgeht, vielfach unterschätzt, dabei schränkt sie die Fahrtüchtigkeit ähnlich stark ein wie Alkohol“, schildert Lang seine Beobachtungen. Jeder vierte Unfall im Straßenverkehr geht auf das Konto von Fahrern, die am Lenkrad eingenickt waren, wird geschätzt.

Besonders groß ist die Gefahr, wenn die Fahrt entgegen der inneren Uhr angetreten wird. Zwischen zwei und fünf Uhr morgens sowie am Nachmittag gegen 14 Uhr befindet sich der Mensch in einem biologischen Tief. Dabei führt Müdigkeit nicht nur zu Konzentrationsproblemen. „Auch die Reaktionszeit lässt deutlich nach“, warnt der TÜV SÜD-Fachmann „und was besonders tückisch ist, der Fahrer überschätzt seine Fähigkeiten.“

Deshalb sollte man sein Fahrverhalten selbst genau beachten, um nicht vom Sekundenschlaf überrascht zu werden. „Akute Warnzeichen des Körpers sind häufiges Gähnen, Augenreiben“, weiß der Fachmann, „plötzliches Frösteln, ein ausgeprägtes Bewegungsverlangen, man beginnt beispielsweise auf dem Sitz hin- und her zu rutschen.“ Spätestens dann sollte der nächste Parkplatz das unmittelbare Ziel sein, um ein Nickerchen zu machen. „Alles andere kuriert nur an Symptomen“, warnt Lang. Nach einer Pause von zehn bis 20 Minuten kann es dann weiter gehen.

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Pressekontakt: Vincenzo Lucà

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