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3. Dezember 2021

Schwachstelle Batterie

Die Zahl der Panneneinsätze sinkt von Jahr zu Jahr, obwohl die Pkw-Zulassungen steigen. „Kochende Kühler im sommerlichen Stau auf der Autobahn oder durchgerostete Auspuffrohre, die abfallen, kommen heute so gut wie nicht mehr vor“, schildert Karsten Graef von TÜV SÜD in München seine Beobachtungen. Dafür mehren sich Pannen durch Fehler in der Fahrzeugelektrik und -elektronik. Laut Pannenstatistiken von Autoclubs und Hilfsdienste sind Probleme mit dem Anlasser, in der Beleuchtung oder Verkabelung heute Auslöser für viele Panneneinsätze. Die weitaus häufigste Ursache, dass ein Auto den Dienst quittiert, ist die 12-Volt-Batterie. „Bei fast der Hälfte aller Pannen war eine leere Starterbatterie der Grund für das Liegenbleiben“, erläutert Graef: „Zwischen dem fünften und sechsten Jahr im Leben eines Autos werden Defekte am Akku deutlich wahrscheinlicher. Dieser Zeitraum entspricht der durchschnittlichen Lebensdauer einer Batterie“. Insbesondere während der kälteren Jahreszeiten kollabieren Akkus auffällig oft.

Minusgrade und zusätzliche Verbraucher wie Radio, Gebläse, Sitz- und Heckscheibenheizung belasten dann die Stromspender. „Kommen noch viele Kurzstrecken hinzu, erreicht der Akku nicht mehr seine volle Leistungsfähigkeit“, weiß der TÜV SÜD-Fachmann und seit Hersteller immer mehr Elektronik in ihren Fahrzeugen einsetzen, wird der Akku praktisch ständig angezapft. Daher empfiehlt es sich in der Zeit besonders bei viel Kurzstreckenfahrt nur die sicherheitsrelevanten Funktionen, wie Fahrlicht und Gebläse gegen beschlagene Scheiben zu nutzen. Bei Kälte kommt erschwerend hinzu, dass die Batterie beim Starten nicht nur mehr Strom abgeben muss, sondern auch schlechter Strom aufnimmt, weil die chemischen Prozesse in ihrem Inneren langsamer ablaufen. So kann dem gewollten Parken ein unerwarteter Stillstand folgen.

Akkutechnik ist bei modernen Autos ein diffiziles Thema. „Mal eben austauschen geht meistens nicht mehr“, warnt der TÜV SÜD-Fachmann. Batterieservice ist bei den meisten modernen Fahrzeugen Werkstattsache. „Bei Fehlern ist das Risiko von Schäden an teuren Steuergeräten nicht zu unterschätzen“, gibt Graef zu bedenken, „der Verlust von Sendereinstellungen beim Autoradio wie das früher mal war ist da noch ein kleineres Problem.“ Profis arbeiten beispielsweise auch mit einem Puffer-Akku, damit das Fahrzeug beim Abklemmen der Batterie nicht komplett stromlos wird und dadurch seine sämtlichen Einstellungen vergisst.

Auch beim Kauf eines neuen Akkus ist einiges zu beachten. Lediglich auf die Abmessungen und die Nenndaten zu achten, wäre ein Kardinalfehler. „Man muss beispielsweise berücksichtigen, ob das Fahrzeug eine Start-Stopp-Automatik besitzt, da in diesem Falle wesentlich mehr Startzyklen zu erwarten sind und das Lademanagement des Fahrzeugs anders funktioniert“, erläutert Graef. Grundsätzlich wird zwischen der herkömmlichen Starterbatterie, dem sogenannten Starter-Lighting-Ignition-Akku und Modellen für Fahrzeuge mit Start-Stopp-Automatik und Bremsenergierückgewinnung unterschieden. Bei ihnen sorgen spezielle Technologien wie Absorbent Glass Mat (AGM) oder Enhanced Flooded Battery (EFB) für besonders hohe Zyklenfestigkeit und Lebensdauer. Wichtig für den Austausch sind darüber hinaus die Kapazität sowie der Kaltstartstrom. Die Bezeichnung zwölf Volt, die auf dem Akku zu lesen ist, gilt nur als eine ganz grobe Spannungseinteilung und beschreibt nicht die exakte Spannung eines Akkus. Schon kleine Unterschiede haben an dieser Stelle große Auswirkungen. Ein vollgeladener Akku kann 12,7 Volt aufweisen (AGM 12,9 Volt). Sollte dieser Akku später 12,1 Volt haben, gilt dieser schon als nennenswert entladen (40 Prozent Restkapazität).

Sinkt die Batteriespannung ab, kann Nachladen helfen. Doch auch hier lauern Tücken, etwa wenn in einem solchen Fall ein altes Ladegerät zum Einsatz kommt. „Sehr alte Ladegeräte sind meist nicht geregelt und können somit unter Umständen Batterien überladen“, warnt der TÜV SÜD-Fachmann.

Moderne Autoakkus werden zumeist als wartungsfrei gekennzeichnet. Früher musste man destilliertes Wasser in Batterien nachfüllen. Das ist Technik von gestern und nicht mehr nötig. „Gleichwohl muss man vor allem bei Kurzstreckenfahrzeugen immer mal wieder ein wenig Zeit investieren, da sich die Batterie auf kurzen Strecken nicht volllädt“, schildert Graef seine Erfahrungen. Gerade wer häufig Kurzstrecken fährt, sollte die Batterie zwischendurch immer wieder einmal mit einem externen Ladegerät vollladen oder eine längere Strecke fahren.

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Pressekontakt: Vincenzo Lucá

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