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Presse und Medien

3. November 2020

Vorsicht Wildwechsel

Mehr als 200.000 Rehe oder Böcke und knapp 25.000 Wildschweine sterben jedes Jahr auf Deutschlands Straßen. Rund 275.000 Wildunfälle zeigt die Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Eine Vielzahl dieser Unfälle passiert im Herbst, wenn die Tage neblig beginnen und die Abenddämmerung immer früher einsetzt.

„Dabei sind manche Unfälle mit wildlebenden Tieren vermeidbar“, schildert Karsten Graef von TÜV SÜD in München seine Beobachtungen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte deshalb außerorts vorausschauend fahren. „Bei Gefahr von Wildwechsel heißt es, Fuß vom Gas, die Geschwindigkeit anpassen, aufmerksam Wald- und Straßenränder beobachten“, rät er. „Besonders nach Wildwechsel-Schildern sollte man langsam fahren und auf die Fahrbahnränder achten“, empfiehlt der TÜV SÜD-Fachmann und rechnet vor: „Wer beispielsweise statt Tempo 80 nur 60 fährt, verkürzt seinen Anhalteweg bei einer Gefahrbremsung um fast 40 Prozent, also um 20 Meter.“ Wertvolle Bremsmeter, denn, wenn es kracht, dann meist heftig.

Besonders gefährlich sind neue Straßen, die durch Waldgebiete führen. „Das Wild behält seine gewohnten Wege bei, hier fehlen oft noch Warnhinweise“, gibt der TÜV SÜD-Fachmann zu bedenken und „mit Nachzüglern rechnen, Rehe und Wildschweine sind oft in Gruppen unterwegs.“

Ausweichen, Bremsen oder Draufhalten – diese Entscheidung stellt sich nach den Erfahrungen von Graef allenfalls theoretisch: „Wir halten das für praxisfremd“, sagt er und empfiehlt, „niemals ausweichen, nur bremsen.“ Mit riskanten Ausweichmanövern gefährdet man nicht nur die Fahrzeuginsassen im eigenen Auto, sondern ebenso andere Verkehrsteilnehmer. Die Kollision mit dem Tier muss der Autofahrer in Kauf nehmen, sonst endet wohl möglich die Fahrt an einem Baum. Ist ein Zusammenprall unvermeidbar, dann sollte der Fahrer scharf bremsen und dabei das Lenkrad mit beiden Händen gut festhalten.

Nach einer Kollision, Notruf 110 wählen, die Unfallstelle sichern. Ein verletztes oder getötetes Tier möglichst nicht anfassen. Das Bergen des Tieres ist Aufgabe des Försters oder Jagdpächters. Die Polizei oder die zuständige Forstdienststelle stellen eine Bescheinigung für die Versicherung aus. Zudem helfen Fotos von der Unfallstelle, Ansprüche auf Schadensersatz zu untermauern. Den Versicherer anrufen, bevor die Wildspuren beseitigt sind oder das Fahrzeug repariert, verschrottet oder verkauft wird.

Noch am Unfallort sollte man sein Fahrzeug sorgsam unter die Lupe nehmen. Weiterfahren? Kommt auf die Schäden an. Ein Abschleppdienst ist erfahrungsgemäß notwendig, wenn Öl oder Kühlwasser austritt. Doch schon nach weniger schweren Kollisionen kann das Fahrzeug nicht mehr verkehrssicher sein, etwa im Dunkeln mit kaputten Scheinwerfern. „Selbst wenn oberflächlich gar nichts zu sehen ist, kann eine Weiterfahrt wenig empfehlenswert sein“, schildert der TÜV SÜD-Fachmann seine Erfahrungen. So sind moderne Fahrzeuge am Unterboden großflächig mit Kunststoff verkleidet. Diese Abdeckungen splittern beim Überrollen, reißen sich los und können anschließend an Reifen oder Fahrwerksteilen scheuern sowie andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Eine Gefährdung liegt auch vor, wenn die Frontscheibe zersplittert und keine einwandfreie Sicht mehr gegeben ist.

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Pressekontakt: Vincenzo Lucá

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