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Wildunfälle – Ohne Scheu im Liebesrausch

Es sind Begegnungen der unliebsamen Art. Urplötzlich taucht Rehwild vor dem Auto auf. Von Mitte Juli bis Mitte August herrscht beim Rehwild Paarungszeit. Der Jäger nennt es Brunft oder Blattzeit. „Auto- und Motorradfahrer sollten zu dieser Zeit auf liebesblinde Rehe gefasst sein und sehr vorausschauend fahren“, empfiehlt Eberhard Lang von TÜV SÜD. Während der Brunftzeit treiben die Böcke die Ricken vor sich her, verlieren in ihrem Liebesrausch jegliche Scheu, nehmen Gefahrenquellen nicht mehr wahr. Besonders tückisch: Nicht nur in der Dämmerung, sondern ebenfalls am helllichten Tag springen die liebestollen Tiere dann plötzlich auf die Straße.

Draufhalten, Bremsen oder Ausweichen – diese Entscheidung stellt sich nach den Erfahrungen von Lang allenfalls in der Theorie: „Wir halten das für praxisfremd“, sagt er und empfiehlt, „niemals ausweichen, nur bremsen. Die Kollision mit dem Tier muss der Autofahrer in Kauf nehmen, sonst endet wohl möglich die Fahrt an einem Baum.“ Mit riskanten Ausweichmanövern gefährdet man nicht nur die Fahrzeuginsassen im eigenen Auto, sondern ebenso andere Verkehrsteilnehmer. Ist ein Zusammenstoß mit einem Wildtier unvermeidbar, dann sollte der Fahrer scharf bremsen und dabei das Lenkrad mit beiden Händen gut festhalten.

„Besonders nach Wildwechsel-Schildern sollte man langsam fahren und auf die Fahrbahnränder achten“, empfiehlt der TÜV SÜD-Fachmann und rechnet vor: „Wer statt Tempo 80 nur 60 fährt, verkürzt seinen Anhalteweg um 40 Prozent, also um 34 Meter.“ Wertvolle Bremsmeter, denn, wenn es kracht, dann meist heftig. „Schon bei 50 Kilometer pro Stunde (km/h) entwickelt ein 20 Kilogramm schweres Reh ein Aufprallgewicht von knapp einer halben Tonne. Das entspricht etwa dem Gewicht eines Pferdes.“

Hat es gekracht, „Notruf 110 wählen“, rät Lang und „die Unfallstelle sichern“. Die Polizei informiert den Jagdpächter, der sich um das angefahrene Tier kümmert. Selbst sollte man das Tier nicht anfassen und schon gar nicht das Tier in den Kofferraum laden. Das kann als Wilderei ausgelegt werden. Die Polizei oder die zuständige Forstdienststelle stellen eine Bescheinigung für die Versicherung aus. Zudem helfen Fotos von der Unfallstelle, Ansprüche auf Schadensersatz zu untermauern.

Dann heißt es, das eigene Auto zu inspizieren. Weiterfahren? Kommt auf die Schäden an. Ein Abschleppdienst ist erfahrungsgemäß notwendig, wenn Öl oder Kühlwasser austritt. Doch schon nach weniger schweren Kollisionen kann das Fahrzeug nicht mehr verkehrssicher sein, etwa im Dunkeln mit kaputten Scheinwerfern. Meistens ist dann noch mehr demoliert.

Selbst wenn oberflächlich gar nichts zu sehen ist, sollte man sein Auto nach einem Wildunfall penibel in Augenschein nehmen“, legt der TÜV SÜD-Fachmann Autofahrern ans Herz. Moderne Fahrzeuge sind am Unterboden großflächig mit Kunststoffteilen verkleidet. Diese Platten splittern beim Überrollen, reißen sich los und können anschließend an Reifen oder Fahrwerksteilen scheuern sowie andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Eine Gefährdung liegt auch vor, wenn die Frontscheibe zersplittert und keine einwandfreie Sicht mehr gegeben ist.

Besser berechenbar sind die Folgen materieller Schäden am Auto bei Kollision mit Wild. Grundsätzlich versichert sind Zusammenstöße mit Haarwild, also etwa Damwild, Feldhase oder Fuchs. Dann springt die Teilkaskoversicherung ein. „Mittlerweile bieten allerdings viele Gesellschaften eine Erweiterung ihrer Verträge an, sodass auch bei Schäden durch andere Tiere wie Kuh, Pferd oder Schaf reguliert wird“ schildert der TÜV SÜD-Fachmann seine Erfahrungen.

Pressekontakt: Vincenzo Lucà

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