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Presse und Medien

9. Dezember 2019

Überholte Weisheiten

Vermeintlich gute Tipps rund ums Auto gibt es in Hülle und Fülle. Oft werden sie über Generationen weitergegeben. Einige mit gutem Recht. Aber viele halten sich erstaunlich lange, obwohl sie technisch längst überholt sind und – schlimmer noch – teuer zu stehen kommen können. „Aus der Zeit der Diagonalreifen stammt der Tipp, für die Fahrt im Schnee den Reifendruck zu verringern. Für heutige Gürtelreifen gilt dies nicht mehr – im Gegenteil“, warnt Karsten Graef von TÜV SÜD in München, „zu geringer Reifendruck verschlechtert die Traktion und erhöht den Spritverbrauch.“

„Aber auch zu viel Druck im Pneu ist wenig ratsam“, ergänzt der TÜV SÜD-Fachmann. Zwar spart höherer Reifendruck Sprit. Doch mit 20 Prozent mehr oder noch höherem Luftdruck gegenüber den Angaben in der Bedienungsanleitung nimmt die Auflagefläche des Reifens und damit seine Fähigkeit zur Kraftübertragung deutlich ab, der Bremsweg hingegen zu. Zugleich sinkt der Fahrkomfort. Der Verschleiß an den Radaufhängungen steigt. Der Minderverbrauch hingegen ist kaum messbar.

Bei Autos mit Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) muss man keine Luft mehr prüfen. Diese vermeintliche Erleichterung der automobilen Pflege rückt Graef ebenfalls zurecht: „Das RDKS, seit 2014 bei allen Neuwagen vorgeschrieben, lässt gewisse Abweichungen zu. Die sind erforderlich, weil sich der Reifendruck je nach Außentemperatur um 0,3 bar oder mehr ändern kann.“ Um nun nicht jedes Mal einen Alarm auszulösen, wenn die Reifen über Nacht abkühlen und ihr Druck gesunken ist, erlauben Reifendruck-Kontrollsysteme diese Toleranz. Wer aber dauerhaft mit um 0,3 bar zu geringem Reifendruck unterwegs ist, bezahlt mit erhöhtem Kraftstoffverbrauch und Reifenverschleiß. Viel wichtiger: Aufpassen, dass der Reifendruck nicht zu gering ist. Deshalb alle zwei Wochen prüfen, spätestens aber bei jedem zweiten Tanken. „Aber das gehört wohl in die Kategorie automobiler Weisheiten, die gehört, aber sofort wieder vergessen werden“, schmunzelt der TÜV SÜD-Fachmann.

Spülmittel säubert die Scheiben genau so gut wie teure Scheibenreiniger. „Nicht zu empfehlen“, urteilt Graef. Geschirrspülmittel wirken stark entfettend und schaden dem Lack und den Wischergummis, die sich verfärben können. Besonders gefährdet sind Kunststoff-Scheinwerfer, wenn sie über die Reinigungsanlage mit Spülmittellösung besprüht werden. Das kann durch UV-Einstrahlung schon nach kurzer Zeit zu Spannungsrissen und gelblichen Verfärbungen führen. Deshalb sind spezielle Zusätze für die Scheiben- und Scheinwerfer-Waschanlagen langfristig preiswerter.

Und Türschlösser mit Grafit zu schmieren, entspricht auch nicht mehr dem Stand der Technik. Grafit ist zwar kein Gift für Türschlösser, aber an dieser Stelle inzwischen eher ein Schmutz- als ein Schmiermittel. Die heutige Schließzylindertechnik verlangt vielmehr modernere Schmiermittel, beispielsweise auf Teflonbasis. Mit speziellen Schließzylindersprays hält man die Türschlösser deutlich sauberer.

Selbst fahrtechnisch-falsche Weisheiten werden immer wieder weitergereicht: etwa, einen schlingernden Anhänger kann man mit Gas geben beruhigen. „Falsch und gefährlich“, warnt der Fachmann: „Zugfahrzeug und Anhänger bilden zusammen ein schwingendes System. Dieses nähert sich ab einer bestimmten Geschwindigkeit seiner Eigenfrequenz. Eine kleine Bodenwelle genügt, und der Anhänger beginnt hin und her zu pendeln. Gas geben führt dazu, dass der Anhänger immer schneller pendelt und irgendwann umkippt.“

Deshalb gilt: Sobald der Anhänger zu pendeln beginnt, Gas wegnehmen, wenn nötig vorsichtig bremsen. Dann beruhigt sich das Gespann. Neigt der Anhänger schon unterhalb der zulässigen Geschwindigkeiten von 80 bis 100 km/h zum Schaukeln, kann man von einem Schaden an Fahrwerk oder Kupplung ausgehen. Dann sollte eine Werkstatt die Ursache prüfen.

Pressekontakt: Vincenzo Lucá

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