Konsultationsverfahren für Medizinprodukte

Im Rahmen der regulatorischen Prüfung und Freigabe müssen Benannte Stellen bei mehreren Produktkategorien mit den zuständigen Behörden in Verbindung treten und ein wissenschaftliches Gutachten einholen, bevor sie ein EU-Zertifikat ausstellen. Diese Konsultationsverfahren sind in den Artikeln 52 und 54 der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) näher geregelt. Je nach Eigenschaften des Medizinprodukts sind ein oder mehrere Verfahren unter Beteiligung der benannten zuständigen Behörden, der europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) oder der Expertengremien der Europäischen Kommission erforderlich.

  • Konsultationsverfahren für Produkte, zu deren Bestandteil ein Arzneimittel gehört

    Viele der innovativsten Medizinprodukte von heute sind Kombinationen aus einem Medizinprodukt und einem Arzneimittel, dem im Rahmen des Medizinprodukts eine unterstützende Funktion zukommt. Bei diesen Kombinationsprodukten handelt es sich häufig um Medizinprodukte, die mit einem Arzneimittelwirkstoff beschichtet oder imprägniert wurden, wie z. B. Katheter mit antimikrobieller Beschichtung oder Stents mit Wirkstoffbeschichtung. Weitere Beispiele für Kombinationsprodukte sind beschichtete Ballonkatheter und Knochenzemente mit Antibiotika oder Kondome, die mit Spermizid beschichtet sind.

    Gemäß den Vorgaben der Medizinprodukteverordnung (MDR), Anhang IX, Abschnitt 5.2 holt TÜV SÜD für Produkte, die als festen Bestandteil einen Stoff enthalten, der für sich allein genommen als Arzneimittel gelten kann und dem im Rahmen des Medizinprodukts eine unterstützende Funktion zukommt, vor Ausstellung eines EU-Zertifikats ein wissenschaftliches Gutachten über die Qualität, Sicherheit und den Nutzen des Stoffes von einer zuständigen Arzneimittelbehörde oder der EMA ein. 

    Dieses Verfahren gilt auch für Produkte, die bereits unter den Medizinprodukterichtlinien (MDD oder AIMDD) ein Konsultationsverfahren durchlaufen haben und sich bezüglich ihres Kombinationsproduktes nicht geändert wurden. 

    Im Rahmen des ersten MDR-Konsultationsverfahren für bereits in Verkehr gebrachte Produkte muss die Benannte Stelle der Arzneimittelbehörde die gesamte Herstellerdokumentation entsprechend dem jeweiligen Leitfaden1 bzw. den Anforderungen der zuständigen Behörde vorlegen. Der Hersteller muss, wie nachfolgend dargestellt, das Antragspaket mit einer konsolidierten Änderungsliste vervollständigen:

    Dort wo keine Änderungen vorgenommen wurde, stellt TÜV SÜD eine Erklärung aus zur Bestätigung, dass sich seit der letzten Konsultation keine Änderungen ergeben haben. 

    Bei einer Erstkonsultation muss die Arzneimittelbehörde das Ergebnis ihrer Prüfung innerhalb von 210 Tagen liefern2. Bei Produkten, für die bereits ein Konsultationsverfahren gemäß MDD/AIMDD durchgeführt wurde und nun erstmals ein Antrag auf Konsultation gemäß der MDR eingereicht wird, legt die zuständige Behörde die Prüftiefe des Verfahrens anhand der jeweiligen Änderungen fest, die sich seit dem letzten gültigen Konsultationsverfahren ergeben haben.
     
    Das oben beschriebene Konsultationsverfahren gilt auch für bereits auf dem Markt befindliche Produkte, für die der Hersteller nachweislich belegt hat, dass der Arzneimittelstoff nicht auf den Körper einwirken kann, so dass unter der MDD/AIMDD kein Konsultationsverfahren erforderlich war.    


    1 Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zu den Verfahrensaspekten und Anforderungen an das Dossier bei Konsultationsverfahren für Arzneimittel oder Arzneimittel aus menschlichem Blut als festen Bestandteil eines Medizinprodukts, dem hinsichtlich des Medizinprodukts eine unterstützende Wirkung zukommt.

    2 Die Frist verlängert sich bei Rückfragen nicht.

     

  • Konsultationsverfahren für Arzneimittel aus menschlichem Blut oder Plasma

    Laut der EU-Verordnung 2017/745 müssen Benannte Stellen zur Qualität und Sicherheit von Arzneimitteln, die in Medizinprodukte integriert werden und denen im Rahmen des Produkts eine unterstützende Funktion zukommt, ein Gutachten der zuständigen Arzneimittelbehörde einholen. TÜV SÜD berücksichtigt dieses wissenschaftliche Gutachten bei seiner Zertifizierungsentscheidung entsprechend. 

    Enthält das Produkt ein Arzneimittel, das aus menschlichem Blut oder Plasma gewonnen wird, oder einen Stoff, der für sich allein genommen als Arzneimittel gilt und ausschließlich in den Geltungsbereich des Anhangs der Verordnung 
    (EG) Nr. 726-2004 fällt, so muss die Benannte Stelle ein Gutachten der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) einholen. 
    Die EMA berücksichtigt in ihrem Gutachten den Herstellungsprozess und die von TÜV SÜD ermittelten Daten bezüglich der Nützlichkeit des in das Produkt integrierten Arzneimittels. 

    Bei der Bewertung der vom Hersteller eingereichten Daten prüft TÜV SÜD die Dokumentation hinsichtlich der generellen grundlegenden Anforderungen gemäß EMA/CHMP/578661/2010 Rev. 1. Laut dieser Empfehlung muss TÜV SÜD der EMA einen Bericht vorlegen, der die Nützlichkeit des Stoffes aus menschlichem Blut als Bestandteil eines Medizinprodukts verifiziert und dabei die Zweckbestimmung des Medizinprodukts berücksichtigt. TÜV SÜD verifiziert die Nützlichkeit des Blutderivats nach den oben genannten Verordnungen und berücksichtigt dabei auch die Bewertung eines klinischen Prüfers.
    In den nachfolgend aufgeführten Fällen kann beim Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee für Medicinal Products for Human Use, CHMP) der EMA ein Schnellverfahren beantragt werden:

    • Das Produkt kommt bei schweren Erkrankungen (lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Erkrankungen, die zu schweren Behinderungen führen) zum Einsatz.
    • Bei dem verwendeten Arzneimittel handelt es sich um ein bekanntes Arzneimittel oder ein Blutderivat aus einer bekannten Quelle, dass laut CHMP eine weniger umfassende Bewertung erfordert.

    Antragssteller, die ein Schnellverfahren wünschen, sollten dies mit einer stichhaltigen Begründung mindestens zwei bis drei Monate vor Vorlage der ersten Dokumente für das Konsultationsverfahren beantragen. Das entsprechende Antragsformular findet man auf der Website der EMA.
    Nach dem Bewertungszeitraum stellt der CHMP/die EMA ein Gutachten über die Qualität und Sicherheit des Stoffs bzw. der Stoffe aus. Dieses Gutachten umfasst auch ein klinisches Risiko-Nutzen-Profil bezüglich der Integration des Stoffs bzw. der Stoffe in das Medizinprodukt. Das Gutachten des CHMP wird an TÜV SÜD und die für Medizinprodukte zuständige Stelle des Mitgliedsstaates geschickt, in dem die Benannte Stelle ihren Sitz hat.

    Gemäß der Bekanntmachung an die Antragssteller (Eudralex Notice to Applicants, Volume 2A, Chapter 4) gelten folgende Fristen: 
    Pre-Submission Meeting (Treffen vor Einreichen der Unterlagen) mit der EMA zur Erstzertifizierung durch TÜV SÜD: 6 Monate vor der erwarteten Vorlage der Dokumentation.

    Einreichen der Dokumentation: 
    Die Frist von 210 Tagen2 für das Konsultationsverfahren beginnt mit der Benachrichtigung, dass die Dokumentation von der EMA akzeptiert wurde.
    Tag 210: Finale Entscheidung seitens CHMP / EMA. Die Ausstellung eines TÜV SÜD-Zertifikats ist erst nach Vorliegen einer positiven finalen Entscheidung seitens der EMA möglich.

  • Konsultationsverfahren für Gewebe oder Zellen menschlichen Ursprungs und ihre Derivate

    Für Produkte, die unter Verwendung von Derivaten aus Geweben oder Zellen menschlichen Ursprungs, die nicht lebensfähig sind oder vor kurzem abgetötet wurden, hergestellt werden, und in den Geltungsbereich der MDR fallen (Anhang VIII, Regel 18) gilt Folgendes: 

    • (a) die Spende, Beschaffung und Testung der Gewebe und Zellen hat gemäß Richtlinie 2004/23/EG zu erfolgen. 
    • (b) die Gewebe und Zellen oder ihrer Derivate sind so zu verarbeiten, aufzubewahren oder anderweitig zu behandeln, dass die Sicherheit der Patienten, Benutzer und anderen Personen sichergestellt ist. Insbesondere im Hinblick auf Viren und andere übertragbare Krankheitserreger ist durch entsprechendes Sourcing und Umsetzung validierter Methoden zur Abtötung oder Inaktivierung bei der Herstellung auf Sicherheit zu achten.
    • (c) das System zur Rückverfolgbarkeit dieser Produkte muss zu den in der Richtlinie 2004/23/EG und Richtlinie 2002/98/EG festgelegten Anforderungen zur Rückverfolgbarkeit und zum Datenschutz komplementär und kompatibel sein.

    Die Klassifizierung und die Notwendigkeit eines Konsultationsverfahrens durch eine zuständige europäische Behörde wird in der Antragsphase verifiziert. Es muss klargestellt werden, ob das Produkt mit Derivaten von Geweben oder Zellen menschlichen Ursprungs als Medizinprodukt in den Geltungsbereich der MDR fällt bzw. ob ein Konsultationsverfahren gemäß MDR erforderlich ist. 

    TÜV SÜD wird hinsichtlich der Aspekte in Verbindung mit der Spende, Beschaffung und Testung von Geweben oder Zellen menschlichen Ursprungs oder deren Derivate, die nicht lebensfähig sind bzw. abgetötet wurden, vor Ausstellung eines EU-Zertifikats zur Bewertung der technischen Dokumentation, das wissenschaftliche Gutachten einer von den Mitgliedsstaaten nach Richtlinie 2004/23/EG Benannten zuständigen Behörde (der für menschliches Gewebe und Zellen zuständigen Behörde) einholen. 

    Die Dauer des Konsultationsverfahrens beträgt 120 Tage bzw. bei Änderungen hinsichtlich Spende, Prüfung und Testung 60 Tage.

  • Konsultationsverfahren für Gewebe oder Zellen tierischen Ursprungs

    Bei diesen Produkten handelt es sich entweder um biologische Herzklappen, d. h. Herzklappen aus Kollagen, oder Medizinprodukte, die aus einem Stoff tierischen Ursprungs hergestellt werden bzw. bei deren Herstellung ein Stoff tierischen Ursprungs zum Einsatz kommt. Für alle Produkte, die tierisches Material von TSE-relevanten Tierarten (z. B. Rind, Schaf, Ziegen) enthalten, muss ein Konsultationsverfahren durchgeführt werden. Um das Konsultationsverfahren in die Wege zu leiten, reicht TÜV SÜD die in Anhang II der Verordnung (EU) 722/2012 genannten Unterlagen bei der koordinierenden Behörde, der ZLG, ein. Diese leitet die Unterlagen dann an alle zuständigen Behörden der EU-Mitgliedsstaaten weiter.  

    Haben sich an der vom Hersteller laut Verordnung (EU) 722/2012 vorzulegenden Dokumentation seit dem letzten Konsultationsverfahren keine Änderungen ergeben, kann die Benannte Stelle dem zusammenfassenden Bewertungsbericht (Summary Evaluation Report, SER) eine Erklärung beifügen, die bestätigt, dass sich bei den Bestandteilen der Produkte keine Änderungen ergeben haben. Hat sich auch an der Bewertung der Dokumentation durch die Benannte Stelle nichts geändert, so kann dies ebenfalls in die o. g. Erklärung mit aufgenommen werden. Wurden an den o. g. Unterlagen lediglich redaktionelle Änderungen vorgenommen (z. B. Änderungen bei Namen oder Adressen oder Änderungen des Layouts etc.), so sind diese Änderungen in der Erklärung eindeutig und detailliert aufzuführen.

    Alle Kommentare seitens der nationalen koordinierenden Behörde, die innerhalb von 12 Wochen nach Einreichen der Unterlagen für das Konsultationsverfahren bei TÜV SÜD eingehen, müssen von TÜV SÜD berücksichtigt werden. Bei Produkten mit Material tierischen Ursprungs, für das ein gültiges EDQM-Zertifikat der Europäischen Direktion für Arzneimittelqualität (EDQM) vorliegt, verringert sich die Dauer des Konsultationsverfahrens auf 4 Wochen. 

    Laut Artikel 5(5) der Verordnung (EU) 722/2012 können die zuständigen Behörden und die Kommission unter Umständen einer Verkürzung der Dauer des Konsultationsverfahrens zustimmen. Bleiben viele Elemente des SER unverändert, wird dringend empfohlen, die Prüfung im Schnellverfahren durchzuführen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass auch die Klärung mit der zuständigen Behörde und der Kommission einige Zeit in Anspruch nehmen kann und die allgemeine Dauer des Konsultationsverfahren ohnehin auf drei Monate begrenzt ist. Die etwaige Nichtbeachtung einer oder mehrerer Kommentare der Behörden sowie Abweichungen von den Kommentaren einer zuständigen Behörde sind von TÜV SÜD entsprechend schriftlich zu begründen.  
    Nach Abschluss des Konsultationsverfahrens kann eine Zertifizierung empfohlen werden.  

    Die Ergebnisse enthalten eine Zusammenfassung des bzw. der Gutachten der zuständigen Behörden. Die ZLG muss über die abschließende Entscheidung von TÜV SÜD informiert werden. Wird ersichtlich, dass das TSE-Gesamtrisiko bezogen auf das Medizinprodukt gestiegen ist, so ist ein vollständiges Konsultationsverfahren gemäß Artikel 5 der Verordnung 722/2012 durchzuführen.

  • Konsultationsverfahren für die klinische Bewertung

    Das Konsultationsverfahren für die klinische Bewertung gilt für implantierbare Medizinprodukte der Klasse III und aktive Medizinprodukte der Klasse IIb, die dazu bestimmt sind, Arzneimittel an den Körper abzugeben und/oder aus dem Körper zu entfernen (Regel 12).

    Das Verfahren gilt nicht in folgenden Fällen:

    • bei Verlängerung des MDR-Zertifikats
    • bei Produkten, die bereits unter der MDD/AIMDD in Verkehr gebracht wurden, wenn die Änderungen lediglich zur Einhaltung der rechtlichen Anforderungen der MDR dienen und keine Bewertungen von Produktänderungen oder Abweichungen ausstehen (siehe MDCG 2019-3)
    • das Produkt wurde durch Änderungen eines Produkts entwickelt, das vom selben Hersteller mit derselben Zweckbestimmung (unter der MDR) in Verkehr gebracht wurde, wenn die Änderungen das Nutzen-Risiko-Verhältnis des Produkts nicht beeinträchtigen
    • die Grundsätze der klinischen Bewertung der entsprechenden Produktart oder -kategorie wurden in einer Gemeinsamen Spezifikation (GS) festgelegt und die klinische Bewertung des Produkts steht mit dieser GS in Einklang.

    Das Expertengremium muss innerhalb von 21 Tagen über die Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens entscheiden. Die Entscheidung richtet sich nachfolgenden Kriterien:
    Neuartigkeit des Produkts oder des damit verbundenen klinischen Verfahrens
    signifikante Beeinträchtigung des Nutzen-Risiko-Profils einer bestimmten Produktkategorie oder -gruppe
    signifikanter Anstieg der Rate an schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen in einer bestimmten Produktkategorie oder-gruppe.

    Ein Gutachten ist innerhalb von 60 Tagen zu liefern. TÜV SÜD wird die im Gutachten des Expertengremiums enthaltenen Darstellungen sorgfältig prüfen.
    Wird innerhalb von 60 Tagen kein Gutachten ausgestellt, fährt TÜV SÜD mit dem Zertifizierungsverfahren für das Produkt fort.

  • Konsultationsverfahren für Produkte mit Stoffen, die vom Körper aufgenommen werden

    Konsultation, ja oder nein? Diese Frage stellt sich bei Medizinprodukten mit resorbierbaren Stoffen. Stoffe, d. h. jede Form von Materie unabhängig von ihrem Ursprung (menschlich, tierisch, pflanzlich oder chemisch3), spielten bis zur Veröffentlichung des ersten Entwurfs der MDR in der Medizintechnik eine eher untergeordnete Rolle. Inzwischen stellt sich bei allen Stoffen, die mit dem Zusatz „absorbierbar oder resorbierbar“ versehen sind, die Frage nach dem Konsultationsverfahren. Irrtümlicherweise könnte angenommen werden, dass stoffliche Medizinprodukte, die biologisch wirken, ganz oder zu einem großen Teil vom Körper resorbiert werden4, oder im Körper eine chemische Veränderung erfahren, ein Konsultationsverfahren durchlaufen müssten. Aber die große Mehrzahl dieser Produkte muss ebenso wie ihre Stoffwechselprodukte für ihre Zweckbestimmung nicht notwendigerweise systemisch resorbiert werden. 

    Fällt Ihr Produkt in die Produktart MDS 10085  und wird es für seine Zweckbestimmung systemisch vom Körper aufgenommen (resorbiert), so erfüllt das Produkt die Voraussetzungen für das Konsultationsverfahren für Produkte mit resorbierbaren Stoffen. 

    TÜV SÜD unterstützt Sie bei der Umsetzung des spezifischen, von der zuständigen Konsultationsbehörde genehmigten Konsultationsverfahren. Unsere spezialisierten Prüfer haben Zugang zu globalen Kommunikationskanälen und können so ausgehend von den Produktdaten bezüglich der Qualität und Sicherheit mit Fokus auf die ADME-Tox-Eigenschaften und Wechselwirkungen ein Dossier zur Einreichung zusammenstellen. 

    Mit anderen Worten die Aufnahme in den Blutkreislauf, Verteilung im Körper, Verstoffwechselung, Ausscheidung, lokale Verträglichkeit, Toxizität, Wechselwirkung mit anderen Produkten, Arzneimitteln oder Stoffen und potenzielle unerwünschte Arzneimittelwirkungen werden den Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen gegenübergestellt. Wir holen von einer der benannten zuständigen Arzneimittelbehörden (CA)6  oder der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) ein wissenschaftliches Gutachten ein, das nach Eingang der erforderlichen Dokumentation innerhalb von 150 Tagen erstellt werden muss7. Wir berücksichtigen diese Gutachten sorgfältig in unserer finalen Entscheidung und informieren die zuständige Behörde über unsere Zertifizierungsentscheidung.

    Fällt das stoffliche Medizinprodukt zwar unter den Code MDS 1008, wirkt aber nur topisch bzw. lokal im Gewebe und nicht im gesamten Körper oder zumindest auf multiple Organsysteme, so ist kein Konsultationsverfahren erforderlich. Wir sind jedoch verpflichtet, die vom Hersteller erstellte Studie und Rationale zu den ADME-Tox-Eigenschaften und Wechselwirkungen bzw. Qualität und Sicherheit zu verifizieren. Die Ergebnisse sind Teil des finalen technischen Berichts und werden bei der Entscheidung bezüglich der EU-Zertifizierung berücksichtigt.
    Unabhängig davon, ob ein Konsultationsverfahren durchgeführt wird oder nicht, legt die MDR bei der Erstzertifizierung für ein EU-Zertifikat großen Wert auf die Gesamtqualität und -sicherheit des resorbierbaren Stoffs. Die Daten zu den ADME-Tox-Eigenschaften und Wechselwirkungen müssen von Anfang an die Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllen. Die Eigenschaften müssen auch bei substanziellen Änderungen8 erhalten bleiben bzw. dürfen negativ nicht beeinträchtigt werden.

    Vertrauen Sie uns Ihr Produktportfolio an und investieren Sie Ihre Zeit und Ressourcen in die bewährte Kombination aus Branchenkompetenz und Flexibilität. Wir bearbeiten bekannte resorbierbare Produkte effizient und planen gleichzeitig den zeitlichen Ablauf der Prüfung zielgerichtet für Ihre EU-Zertifizierung. Sprechen Sie uns baldmöglichst an. So können wir Ihre Entscheidung bezüglich der Anwendung der Regeln 8 und/oder 21 und der Anwendung der MDN/MDA- oder MDS-Codes für Ihr Produkt als Benannte Stelle prüfen. Und, so können wir abschließend klären, ob Ihr Produkt eine Konsultation für Produkte mit Stoffen, die vom Körper aufgenommen werden, benötigt oder nicht.

    Lassen Sie Ihre Medizinprodukte mit Stoffen, die biologisch aktiv sind oder vom Körper aufgenommen werden, von TÜV SÜD zertifizieren.


    3 Richtlinie 2001/83/EG, Titel I Begriffsbestimmungen, Art. 1, Abschnitt 3
    4 MEDDEV 2.4/1 Anmerkungen 5 und 6
    5 Codes für besondere Eigenschaften entsprechend Durchführungsverordnung (EU) 2017/2185 der Kommission
    6 Gemäß Richtlinie 2001/83/EG
    7 MDR Anhang IX.II.5.4
    8 z. B.: Änderung des Grads an Invasivität; potenzielle Toxizität von Produkten, die in den menschlichen Körper eingeführt werden; Wirkort des Produkts im oder am menschlichen Körper bzw. Ort, an dem das Produkt in den Körper eingeführt oder am Körper angewendet wird; Änderungen bezüglich der Resorption des Stoffs oder seiner Stoffwechselprodukte.

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