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25 Jahre EMAS: Umweltmanagement gestern, heute und morgen

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25 Jahre EMAS: Umweltmanagement gestern, heute und morgen

Das europäische Umweltmanagementsystem EMAS wird 25 Jahre alt. Ulrich Wegner, Umweltgutachter der ersten Stunde und Leiter der TÜV SÜD Umweltgutachter GmbH, erinnert sich an die Geburtsstunde und erklärt, warum in Partnerschaften und Lieferketten noch viel Potenzial für unternehmerischen Umweltschutz steckt.

Das Eco-Management and Audit Scheme – kurz: EMAS – wurde von der Europäischen Union entwickelt und zielt auf Unternehmen aller Branchen ab, die Klimaschutz und Nachhaltigkeit in ihrer Organisation umsetzen und verbessern wollen. 1995 haben Umweltgutachter von TÜV SÜD die Umwelterklärung ihrer ersten EMAS-Kunden validiert, die darin ihre Umweltauswirkungen offengelegt und die in ihrem Managementsystem festgelegten Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Umweltleistung kommuniziert haben.

Herr Wegner, inwiefern haben sich die Rahmenbedingungen in den letzten 25 Jahren geändert?

Das EMAS-System wurde inzwischen mehrfach revisioniert. Momentan sprechen wir von EMAS III, es gab neben kleineren Anpassungen also zwei große Weiterentwicklungsstufen. So wurde die volle Kompatibilität zur internationalen Umweltmanagement-Norm ISO 14001 in der Weiterentwicklung von EMAS berücksichtigt. Damit ist es für Unternehmen einfach, EMAS und ISO 14001 gleichzeitig zu integrieren. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass das Energiemanagement in den letzten Jahren stärker in den Fokus von EMAS gerückt ist. Eine validierte Umwelterklärung nach EMAS stellt heute einen Nachweis für die gesetzlichen Pflichten zur Umsetzung eines Energiemanagements dar.

Werfen wir einen Blick zurück: Wie haben Sie sich auf die ersten EU-Öko-Audits 1995 vorbereitet?

Das war eine sehr spannende Phase. Interessanterweise hatten wir vor der Zulassung schon zwei Aufträge von namhaften Kunden. Damit war zu Beginn der Druck sehr hoch, die Zulassungsprüfung als Einzelpersonen und damit auch als Organisation zu bestehen, um diese Dienstleistung als TÜV SÜD überhaupt anbieten zu können. Wir haben uns bei TÜV SÜD in einem kleinen, etwa zehnköpfigen Team auf die Prüfung als Umweltgutachter vorbereitet. Wir kamen alle aus verschiedenen Bereichen – dem Immissionsschutz, dem Gewässerschutz –, aber auch aus der Abfallwirtschaft. Daher haben wir überregional und überfachlich sehr eng zusammengearbeitet, wir wollten unsere Kunden ja nicht enttäuschen und waren in der Prüfung letztlich auch erfolgreich.

Wie liefen denn die ersten Umweltschutz-Audits ab?

Sie waren von Unsicherheit auf beiden Seiten geprägt. Niemand wusste so genau, welche Informationen ein Unternehmen veröffentlichen muss, um die Umwelterklärung mit Zahlen, Daten und Fakten zu füttern. Zudem hatten wir, die wir aus dem Umweltbereich kamen, keine Routine darin, ein Managementsystem zu auditieren – wir kannten den Umweltschutz aus anderen Perspektiven. Normalerweise sollte das im Wesentlichen in Gesprächsform passieren. Das Wort „Audit“ kommt ja aus dem Lateinischen und steht für Zuhören. Die entsprechenden Fragetechniken mussten wir uns in der Anfangsphase erst erarbeiten.

Waren die Unternehmen damals überhaupt schon reif für ein Umwelt-Audit?

In Deutschland gibt es für die Industrie seit jeher viele rechtliche Anforderungen – Einzelanforderungen zur Vermeidung von Emissionen, für den Gewässerschutz, Abfallwirtschaft etc. Das wurde durch den Managementsystemansatz nur ergänzt und komplettiert. In der Anfangsphase arbeiteten wir für einige Vorreiterunternehmen, die mit ihren Umweltbeauftragten und ihrem fachlichen Know-how bereits viele Jahre klassischen Umweltschutz betrieben hatten und gut vorbereitet waren. Diese ökologische Orientierung wollten sie mit der EMAS-Zertifizierung nach außen kommunizieren.

Wie hat sich die Nachfrage nach EMAS-Zertifizierungen seither entwickelt?

Wir beobachten in den letzten Jahren einen in etwa konstanten Bedarf. Die verstärkte Nachfrage in der Anfangsphase, als die EMAS-Zertifizierung noch ein deutliches Alleinstellungsmerkmal war, hat sich abgeschwächt. Gerade in der Automobilindustrie und im bayerischen Chemiedreieck haben wir aber eine sehr stabile Klientel. Und es gibt immer wieder neue Initiativen. Im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsprogramms will die Bundesregierung bis 2030 zum Beispiel die Zahl der EMAS-Standorte in Deutschland auf 5000 steigern. Und in den letzten Jahren hat eine große Zahl von Kirchengemeinden EMAS als Instrument verwendet, um den Gedanken, die Schöpfung zu bewahren, systematisch zu unterstreichen.

Wo steht das Umweltmanagement heute? Wie identifizieren und managen Unternehmen Klimarisiken?

Die Beschäftigung mit Klimaaspekten hat in den letzten Jahren stark zugenommen, und das wird durch die normativen Anforderungen von EMAS verstärkt unterstützt. Zum Beispiel: Klimaneutralität. Seit Ende 2018 fordert ein neuer Anhang die Berichterstattung nach dem Greenhouse Gas Protocol. Das erweitert den Rahmen des Ökoaudits deutlich über den Produktionsstandort hinaus. Denn man soll alle relevanten Quellen und Emissionspfade bereits in der Energiebereitstellung und in der gesamten Lieferkette betrachten. Außerdem verschiebt sich der Fokus vom reinen Umweltmanagement auf nachhaltige Entwicklung. Als Umweltgutachter sehe ich bei einigen unserer Kunden, dass die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, die SDGs – Sustainable Development Goals, verstärkt in die unternehmerischen Strategien einfließen. EMAS rückt in dem Zusammenhang den Lebenszyklus von Produkten verstärkt in den Vordergrund. Bei einem Auto muss man also beispielsweise nicht nur die Umweltauswirkungen in der Herstellungsphase betrachten, sondern auch die Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus.

Spielt die Corona-Pandemie – so schwer sie uns alle trifft – den zentralen Umwelt- und Nachhaltigkeitszielen in die Karten?

Ich sehe schon, dass viele Dinge, die man bislang als gegeben vorausgesetzt hat, jetzt hinterfragt werden. Hier findet ein regelrechter Paradigmenwechsel statt. Homeoffice und elektronisch unterstützte Kommunikationsprozesse reduzieren die erforderliche Reisetätigkeit – und die damit verbundenen Emissionen. Unternehmen, die für terminkritische Lieferungen bislang auf Luftfracht gesetzt hatten, arbeiten jetzt mit alternativen Lösungen. Das Thema lokales Sourcing ist in ein ganz neues Licht gerückt. Und auch die gestiegenen wirtschaftlichen Anforderungen könnten ein Anreiz sein, wirklich effizient zu produzieren und die Ressourcenverbräuche nochmals stärker in den Fokus zu nehmen.

Wohin geht die Entwicklung im Umweltmanagement?

Ich glaube, dass EMAS dazu beigetragen hat, durch die Verpflichtung zu kontinuierlicher Verbesserung der Leistung im Umweltschutz bestimmte Zukunftsaspekte klarer zu identifizieren. Wenn Firmen über zehn bis 20 Jahre Umweltmanagement betrieben haben, sind oftmals nur noch sehr kleine Verbesserungen möglich. Da bietet es sich an, im regionalen Umfeld Partnerschaften zu suchen. Beispielsweise für die Wärmeversorgung eines Standortes über eine zentrale Hackschnitzelheizung, die partnerschaftlich finanziert ist. Oder Abwärmenutzung im Verbund mit anderen Unternehmen oder kommunalen Einrichtungen. Solche Weiterentwicklungen sehe ich zunehmend bei unseren zertifizierten Kunden. Große Potenziale liegen auch im bereits angesprochenen Lebenszyklusansatz, den EMAS verstärkt in den Blick nimmt. Denn gerade in der Lieferkette entstehen manchmal die größten Umweltauswirkungen. Wenn man diese also mit ins Managementsystem einschließt, ist der Hebel für die Umweltentlastung viel größer als das, was man am eigenen Standort erreichen kann.

Und das Thema CO2-neutrale Produkte und Dienstleistungen lässt sich mithilfe der von EMAS bereitgestellten Instrumente künftig weiter ausbauen. So gesehen wird EMAS in den nächsten Jahren noch einen deutlichen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit in der breitesten Definition leisten können.

Weiterführende Informationen zu den Vorteilen von EMAS, den Unterschieden zur ISO 14001 und zum Zertifizierungsprozess finden Sie HIER 

Ansprechpartner: Ulrich Wegner, Leiter der TÜV SÜD Umweltgutachter GmbH

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