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Ihr Wegweiser für Sicherheits- und Veranstaltungsneuigkeiten

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Dr. Martin Webhofer, CEO von TÜV SÜD Rail, im Interview: Die Transformation des Bahnmarktes

Seit Anfang dieses Jahres leitet Dr. Martin Webhofer die Geschäfte der TÜV SÜD Rail GmbH. Das TÜV SÜD-Unternehmen gehört zu den führenden unabhängigen Anbietern von Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsdienstleistungen für die Bahnindustrie. Dr. Webhofer tritt die Nachfolge von Klaus Bosch an, der nach dem Aufbau von TÜV SÜD Rail in den Ruhestand geht. Er leitet das Unternehmen gemeinsam mit Jan de Leon (CFO). Wir sprachen mit ihm über Aufgaben, Strategien und Chancen.

TS_Martin_WebhoferDr. Webhofer, Sie haben über zehn Jahre das „Windgeschäft“ DER TÜV SÜD Industrie Service erfolgreich geführt. Welche Erfahrungen bringen Sie für Ihre neue Position mit?

M. Webhofer: Ich bin seit 17 Jahren in verschiedenen Fachbereichen tätig und habe mich in unterschiedlichen Funktionen vom Sachverständigen über den Business Unit Manager bis zum Geschäftsführer weiterentwickelt. Diese Erfahrungen und das Know-how, zum Beispiel im Umgang mit Mitarbeitern, Kollegen und Kunden, bei technischen Diskussionen, Marktrends einzuschätzen und Strategien zu entwickeln oder die Zusammenarbeit mit den Kollegen weltweit, helfen dabei sehr.

Das heißt: Sie bringen frischen Wind ins Rail-Geschäft?

M. Webhofer: (lacht) Das müssten Sie meine Kolleginnen und Kollegen fragen – aber ja, ich glaube schon. Stillstand ist nicht meins.

Was macht Ihr neues Tätigkeitsfeld aus?

M. Webhofer: In der Vergangenheit hat sich TÜV SÜD Rail immer stark am Markt und an den technologischen Entwicklungen orientiert und war dadurch in der Lage, sich mit einem umfangreichen Portfolio zu positionieren. So waren wir gegen Veränderungen im Markt gut gewappnet. Dazu gehörten aber auch Entscheidungen, im richtigen Moment bestimmte Dienstleistungen aufzugeben, um in andere Zukunftsthemen zu investieren. Außerdem sind wir mit unseren Services sehr international aufgestellt. Um diesem stetigen Wandel marktgerecht folgen und umsetzen zu können, kommt es ganz besonders auf das Know-how, die Flexibilität und Agilität unserer Mitarbeitenden an, da der Erfolg von TÜV SÜD Rail in hohem Maße den engagierten und bahnbegeisterten Kolleginnen und Kollegen geschuldet ist.

Wie sieht Ihre Strategie aus, damit es auch künftig gut läuft?

M. Webhofer: Auf dem Markt gibt es derzeit viel Bewegung und die Bahnindustrie steckt voller spannender Innovationen und dynamischer Entwicklungen. Wichtige Treiber sind hier die Digitalisierung und Automatisierung. Der Wandel hin zu einem noch leistungsstärkeren und klimaneutralen Schienenverkehr, sowohl im Personen- als auch im Gütertransport, wird uns die nächsten Jahre auch bei TÜV SÜD Rail besonders prägen und bietet viele Chancen. Unsere Experten sind auf neue Herausforderungen wie die Cybersicherheit von Bahnsystemen vorbereitet und sorgen dafür, dass innovative Systeme auch die hohen Erwartungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit im Bahnbereich erfüllen.

Zum Beispiel?

M. Webhofer: Im Rahmen der Digitalisierung ergeben sich für uns viele Möglichkeiten: Unter anderem bei der Digitalisierung von Stellwerken, bei der Einführung von Digitalen Automatischen Kupplungen oder Ausrüstung der Fahrzeuge mit dem European Train Control System, kurz ETCS. Ebenso im Bereich der modernen Metro Systeme mit immer höherem Automatisierungsgrad oder den autonom fahrenden People Mover mit Communication Based Train Control, kurz CBTC genannt: einem System zur Zugbeeinflussung und zur Sicherung von Zugfahrten, wodurch die Position eines Zuges genauer bestimmt wird und Zugverspätungen reduziert werden, während die Sicherheit erhalten oder sogar verbessert wird. Das bedeutet für uns einerseits, dass wir beim Thema Know-how ganz vorne mitspielen müssen, andererseits kommt es ganz besonders auf die Vernetzung von Wissen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Unternehmensbereichen und unseren Kollegen der Landesgesellschaften im Ausland an. Der Bahnmarkt ist sehr international orientiert. Aber auch unsere Prüfmethoden und - tools müssen stetig den neuen Technologien folgen und weiterentwickelt werden, nicht nur, um damit die Qualität und Aussagefähigkeit ständig zu verbessern, sondern auch um weiterhin effizient und damit wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein anderes Thema ist die Nutzung von grünem Wasserstoff als Energieträger für einen emissionsfreien Antrieb, die in Zukunft eine klimafreundliche Alternative zum Dieselmotor darstellen wird. Unsere Experten sind bereits weltweit an den Zulassungsverfahren von wasserstoff- und batteriebetriebenen Schienenfahrzeugen beteiligt, die einen klimaneutralen Schienenverkehr auf nicht elektrifizierten Strecken ermöglichen, sowie an Projekten rund um Wasserstofftanksystemen und Brennstoffzellen beteiligt, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus den verschiedenen technischen Bereichen zu bündeln. Wie bei der Wasserstofftechnologie spielen auch bei der Energiespeicherung in Traktionsbatterien von Triebzügen und Lokomotiven Sicherheitstests eine entscheidende Rolle. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern bringen wir unsere Erfahrungen aus den Projekten in die Normungsarbeit ein, um ein geregeltes Prüfsystem zu etablieren

Dieses Jahr feierte auch die Prüfstelle für Schienenfahrzeuge ihr 25-jähriges Bestehen. Welche Strategie verfolgen Sie für die Prüfstelle?

M. Webhofer: Wir haben es schon immer als besonders wichtig angesehen, Schienenfahrzeuge und Komponenten nicht nur anhand von Unterlagen zu prüfen, sondern auch entsprechende proprietäre Prüftools und Gleisversuche auf eigenen Prüfanlagen und Teststrecken durchzuführen. Deshalb verfolgen wir weiterhin den konsequenten Ausbau unserer Kompetenzen und Kapazitäten in diesem Bereich.

Mit der Übernahme des Prüfbereichs der Schweizer PROSE-Gruppe haben wir unser bisheriges Prüfspektrum nochmals erweitert, so dass nun die Fachgebiete dynamische Prüfungen und Simulationen für die Fahrzeughomologation Fahrtechnik, Bremstechnik, Ermüdungsfestigkeit, Stromabnehmer oder Zug- und Stoßeinrichtungen sowie Crashtests, Aerodynamik, Maschinendynamik, Elektrik und Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) sowie Fahrzeugakustik abgedeckt sind. Mit den Erfahrungen aus den Praxistests können wir z.B. auch Simulationsergebnisse mit den realen Testergebnissen vergleichen und so unser theoretisches Know-how ständig weiterentwickeln.

Was fasziniert Sie an der Bahn?

M. Webhofer: Ehrlich gesagt, bin ich weniger ein Bahnromantiker. Selbstverständlich hatte ich als kleiner Junge eine Modelleisenbahn und habe auch mit meinen beiden Söhnen diverse Strecken durchs Wohnzimmer gebaut. Mich begeistern die technische Vielfalt und Komplexität der Systeme, aber auch das Potenzial für nachhaltige Mobilität.

„Ich bin überzeugt, dass die Modernisierung und der Ausbau der Schienenverkehrssysteme einen guten Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten wird.“

Martin Webhofer

 

BevorZUGen Sie auch privat die Bahn?

M. Webhofer: Ich fahre privat oder auf Dienstreisen so oft wie möglich Zug, weil man sich während der Fahrt sinnvoll beschäftigen oder einfach nur entspannen kann. Schlussendlich hängt aber die Wahl des Verkehrsmittels aber oft vom Reiseziel ab. In den Pfingstferien bin ich zum Beispiel mit meiner Familie mit dem Hochgeschwindigkeitszug in sechs Stunden von München nach Paris gefahren. Die lange Fahrt, der Verkehr, das Parken in Paris: Auf das konnten wir gut verzichten und wir haben die Umwelt geschont.

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